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Das Messie-Syndrom

Thomas Haemmerli am 1. März 2007 am 02:12 Uhr und 37 Kommentare

Wer ist ein Messie?
Das Wort »Messie« ist eine Verniedlichungsform von »mess«, englisch für Durcheinander und Chaos. Messies türmen in ihren Wohnungen Stapel an Papier und anderen Gegenständen auf, sodass die Räume nahezu unbewohnbar werden. Das Verhalten weist Suchtcharakter auf, und oft ist den Betroffenen klar, dass ihre Motive mit Vernunft nicht haltbar sind. Gegenstände werden behalten, weil man sie irgendwann noch einmal brauchen könnte, oder sie werden mit Erinnerungen verknüpft, was das Wegwerfen verunmöglicht. Oft empfangen Messies keinen Besuch mehr und können so in soziale Isolation geraten. Viele Messies haben das Ideal, ihre Stapel durchzusehen und zu sortieren und sich ein privates, wohlgeordnetes Archiv aufzubauen.

Woher stammen Messies?
Das Warensortiment nimmt zu. Mit dem Internet hat sich die Informationsüberflutung verstärkt. Werbung und Marketing laden Objekte mit Emotionen auf. Die Flut an Waren und Informationsträgern zwingt dazu, ständig auswählen zu müssen. Messies stellt das vor grosse Probleme.

Wer wird Messie?
Wie verbreitet das Phänomen ist, zeigt die Resonanz in den Medien und die Flut von Ratgebern zum Thema sowie die Entstehung von Aufräumdiensten und Selbsthilfegruppen. Messies gehören in alle Schichten und Altersgruppen. Überproportional vertreten sind Leute mit guter Bildung, was zu breit gefächerten Interessen und der Neigung zum Archivieren führen kann.

Wie wurde das Phänomen bekannt?
Die Amerikanerin Sandra Felton hat das Phänomen als Betroffene weltweit bekannt gemacht. Ihre Ratgeber mit Titeln wie »Im Chaos werden Rosen blühen« wurden in den 80er Jahren allesamt zu Bestsellern, was belegt, wie viele sich im Stillen durch das Thema angesprochen fühlen. Felton hat 1981 in den USA eine Selbsthilfegruppe gegründet und den Begriff »Messie« geprägt (www.messies.com). Im deutschsprachigen Raum ist er seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, Feltons Bücher Mitte der 90er auf Deutsch erschienen. Inzwischen gibt es ein dichtes Netz von Selbsthilfegruppen.

Wie viele Messies gibt es?
Felton schätzt die Zahl der Messies in den USA auf 33 Millionen, was bei einer Gesamtbevölkerung von 290 Millionen 12 Prozent entspricht. In Deutschland spricht man von 1.8 Millionen Betroffenen, was etwas über 2 Prozent der Bevölkerung sind. Diese Zahlen sind aber lediglich Schätzungen. Die Erhebung ist schwierig und die Dunkelziffer vermutlich gross, da die wenigsten Messies zu ihrem Problem stehen. Beobachtbar ist jedoch die steigende Anzahl von Selbsthilfegruppen. Allein in der Stadt Zürich bestehen vier Gruppen, weitere gibt es in Bern, Olten, Uster und Weinfelden. In Deutschland bestehen über zweihundert regionale Gruppen.

Literatur

  • Annina Wettstein: Messies – Alltag zwischen Chaos und Ordnung
    Hrsg.: Ueli Gyr, Gisela Unterweger, Zürcher Beiträge zur Alltagskultur, Band 14, Zürich 2004
  • Sandra Felton: Im Chaos werden Rosen blühen
    Übersetzung Ulrike Zellmer-Wettach
    6. Aufl. Brendow Verlag 2003

37 Kommentare

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

  • 1 Dirk Schürjohann am 1. März 2007, 02:27 Uhr

    Nur ein Kommentartest. Alles Gute, liebes Blog!

  • 2 lkalk am 12. März 2007, 10:26 Uhr

    Wenn ja die Messies durch das Internet vor größere Probleme gestellt werden und wegen der größeren Informationsflut zwangsläufig „Selektierfreudiger“ werden müssen (man kann ja schlieslich nicht alles behalten, denn der Wohnraum ist ja bekanntlich begrenzt) dann ist doch eigentlich nur wilkommen, oder war das jetzt zu kurz gedacht. Ich muss aber ehrlich sagen, dass man in dieser Zeit tatsächlich mehr aufbewahren muss als früher wenn man später noch mal von einer Behörde auf etwas angesprochen wird. Das ist ja Wahnsinn was die als Verjährungszeit angeben. Da brauch man ja schon eigentlich ein extra Raum um all das unterzubringen. Und wenn die Messies ja wie oben beschrieben alles ordnen ist es ja in diesem Sinne eigentlich nur ein Vorteil.

  • 3 Thomas Haemmerli (Autor) am 13. März 2007, 10:07 Uhr

    Stimmt, die Aufbewahrungspflicht ist auch noch ein Punkt. Bei meiner Mutter war das so, dass sie zu erst gegen meinen Vater, dann gegen Mieter in einer Wohnung, die nicht gezahlt hatten, prozessierte. Dabei lernte sie schon früh, jedes Dokument kann wichtig sein. Ausserdem machte sie von zahlreichen Gesprächen sogenannte „Aktennotizen“, das heisst Aufzeichnungne was gesagt wurde, Datum und Uhrzeit. Und dann kam noch etwas hinzu: Nämlich das Beweisfoto. Weil es in ihrem Haus noch einen anderen Mieter gab, der viele Sachen besitzt, und die zuweilen in der Tiefgarage lagerte, fotographierte meine Mutter das immer wieder. Sie wollte damit beweisen, dass nicht sie Grund zu den Klagen der Feuerpolizei war, sondern der Nachbar. Übrigens: Im Film sieht man am Schluss, wie der Vermieter in der aufgeräumtem Wohnung alles fotographiert, um Beweisfotos herzustellen.
    Noch ein Wort zum Messie im Interenet-Zeitalter: Ich glaube es gibt die Tendenz zum Digitalen Messie. Man saugt tonnenweise Sachen aus dem Internet ab, und lagert die Geschichten auf der Festplatte. Ist aber kein grösseres Problem, weil es einen in seiner sozialen Funktionstüchtigkeit nicht weiter einschränkt.

  • 4 Oliver Timmermann am 15. März 2007, 09:42 Uhr

    Ich stelle mir da immer wieder die Frage, wo die Grenze zwischen Sammeln, Aufbewahrungspflicht und nahezu krankhaftem Verhalten liegt..

  • 5 Bettina am 4. April 2007, 09:20 Uhr

    Hallo Herr Haemmerli

    Ich bin schockiert… Ihre Mutter war krank… Sie verarbeiten mit diesem Film wahrscheinlich auch Ihr eigenes Versagen. Sie haben nicht erkannt, wie schlecht es Ihrer Mutter über Jahre hinweg erging. Die Angehörigen sind in vielen Situationen überfordert.
    Ich denke es gab von Ihrer Seite her auch keine Liebe und Achtung gegenüber der Mutter. Sonst wäre der Film nicht für die Öffentlichkeit gemacht.

    Meine Mutter hat eine Demenz. Auch sie wäre schon lange Filmreif.
    Aber ich liebe meine Mutter und werde Ihr die Menschenwürde trotz allem nie nehmen.

    Freundliche Grüsse
    Bettina

  • 6 Theres am 9. April 2007, 12:19 Uhr

    Hallo Bettina
    Habe gestern im Kino den Film gesehen. Ich finde, Thomas Hämmerli hat das sehr gut gemacht. Das ist die einzige Art so was zu verarbeiten! Und bitte: wie ist denn die Mutter mit ihren Söhnen umgesprungen!!! Zudem: Leute mit Messie-
    Syndrom wollen sich gar nicht helfen lassen. Die Mutter war eben gerade nicht krank und schon gar nicht dement.

    Lieber Thomas Hämmerli
    Sie haben das wirklich super gemacht. Lassen Sie sich nicht von solchen Kritiken beeindrucken. Angehörige, die mit demselben Problem konfrontiert worden sind, können Sie sehr gut verstehen.
    Wir werden den Film weiter empfehlen!
    Mit lieben Grüssen, Theres

  • 7 Gabrielle Chiarello am 16. April 2007, 21:06 Uhr

    Bravo, bravo, bravo. Ich denke unsere ganze Gesellschaft ist vom Messietum bedroht. Sprich: zuviel Ware überall. Wir hinterlassen doch nur noch Berge. Dazu haben Sie fein und humorvoll auch die zugemüllten Beziehungen dargestellt. Auch da lohnt es sich, von Zeit zu Zeit aufzuräumen und loszulassen.

    Ihr Film hat mich in meinem Entschluss bestärkt, noch rigoroser wegzuräumen. Endziel: mit einem Koffer verreisen und nie mehr Besitz anhäufen. Ist per Ende Jahr geplant! Und zudem wünsche ich mir, dass ich mal so gelassen und vergnügt Abschied nehmen kann und verabschiedet werde, wie Sie es vorgemacht haben.

    Gabrielle

  • 8 Monika Wertheimer am 17. April 2007, 18:03 Uhr

    Lieber Herr Hämmerli
    ich fand den Film SUPER, weil ich so von aussen beobachten konnte, wie ich wohl beim Ausmisten des Hauses der Tante und Grossmutter (50 Jahre nichts weggeschmissen) und meiner Mutter (weniger krass, da nur 30 Jahre…) ausgesehen haben mag :-(

    Ich sah die Wut, die einen erfasst, weil, diese Menschen hätten jene Menge Zeit gehabt, um Ordnung zu machen.

    Mir ist seit dem Film klar, was ich mit den Strampelhösli unseres Sohnes mache, mit meinem Schulheften, dem selbstgehäckelten Spitzedeckeli meiner Nachbarin und meinen Wanderschuhen, obwohl ich überhaupt nicht mehr wandere…

    Danke Herr Hämmerli – vielen Dank für diesen Film – er ist so „reinigend“
    Herzlich – Monika

  • 9 Claudine am 19. April 2007, 14:37 Uhr

    Guten Tag Herr Hämmerli
    Ihr Film löst ja einiges aus – gut so!
    Nicht gut ist, dass ich bis jetzt noch keine Begleitung gefunden habe die mich ins Kino begleiten will, obwohl ich durchwegs von kulturell interessierten Menschen umgeben bin. (?)
    Ergo: Entweder warte ich auf den DVD oder Ich gehe alleine, ich will den Film nämlich unbedingt sehen und freue mich sogar darauf.
    Liebe Grüsse Claudine (Ich gehe alleine!)

  • 10 Kathy Reboly am 20. Mai 2007, 17:55 Uhr

    Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
    ZWEITE DEUTSCHSPRACHIGE MESSIE TAGUNG D-A-CH
    Psychotherapeutische Sichtweisen

    9. und 10. November 2007

    Abgeleitet vom englischen Wort mess (= Unordnung) werden jene Menschen Messies genannt, die ihren Lebensbereich drastisch einschränken, indem sie z.B. ihre Wohnungen mit Dingen überfüllen
    und unter Umständen sich auch die Organisation des Alltagslebens oft extrem erschweren.

    Aufgrund der Entwicklungen in den USA und in Deutschland ist anzunehmen, dass unter dem Messie-Phänomen – im englischen und amerikanischen Raum als Hoarding bezeichnet – eine größere Anzahl von Menschen leidet.

    Die Zweite Deutschsprachige Messie Tagung (D-A-CH) setzt sich zum Ziel, die aktuellen Forschungsergebnisse der Messies-Forschungsgruppe unter der wissenschaftlichen Leitung von Rektor Hon. Prof. Dr. Alfred Pritz zu diskutieren. Die klinische und wissenschaftliche Definition, die dahinter liegenden psychodynamischen Prozesse und weitere Aspekte – wie die Auseinandersetzung mit Angehörigen und jugendlichen Betroffenen –
    sollen beleuchtet werden. Daher soll mit dieser Tagung versucht werden, dem Messie-Phänomen näher zu kommen, um es
    besser zu verstehen und Konsequenzen für die effiziente psychotherapeutische Arbeit ableiten zu können.

    Veranstaltungsort:
    Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU)
    Festsaal im 2. Stock
    Schnirchgasse 9A
    A – 1030 Wien

    Teilnahmegebühr:
    Teilnehmer: EUR 120,-
    Studierende und Pensionisten: EUR 60,-
    Tagungs-CD: EUR 10,-

    Fort- und Weiterbildung:
    Der Tagung werden im Rahmen der psychotherapeutischen und psychologischen Fort- und Weiterbildung 13 Stunden zuerkannt.

    Voranmeldung erforderlich:
    messies@sfu.ac.at
    Fax: +43 1 798 40 98
    Post: Schnirchg. 9A, A-1030 Wien

    Programm, Anmeldungsformular und Angebote für Messies und deren Angehörige unter http://www.sfu.ac.at!

  • 11 Beamarie am 21. Mai 2007, 01:16 Uhr

    Also die Wohnung voller Sachen, das habe ich auch bei meiner Mutter erlebt. Sie hat alles mögliche gesammelt, da hätten andere gesagt: in den Müll damit. Überall stand was, Nippes ohne Ende und als ich hinter die diversen Raumteiler und in die Schränke guckte- voll und viel. Es stapelte sich. Ich denke, soeas hat auch mit einem Traume zu tun, und waren die 30iger Jahrgänge nicht durch das 3. Reich mehr als traumatisiert, als es nichts mehr gab??? Meine Eltern erzählten immer, dass sie damals nichts hatten und sehr darunter litten, da kann ich mir schon vorstellen, dass sie anfingen zu sammeln! Mein Vater hatte Schrauben ohne Ende, er sammelte genauso wie meine Mutter, aber sie hätten es nie zugegeben, dass das nicht mehr im Bereich des Normalen war. Sie haben es im Krieg nie anders gelernt und das Erlernte wurde dann eben auch später beibehalten.
    Das Menschen auch Müll sammeln ist meiner Meinung nach ein Teufelskreis: sie haben psychische Hänger, schaffen es nicht, den Müll zu entsorgen, sie sind einsam, schämen sich, und es dreht sich eine Spirale, die diese Menschen immer weiter runterzieht. Schließlich ist soviel Müll da und die Scham so groß, dass diese Menschen es schaffen, niemanden einen Einblick in ihre Misere zu geben, da sie wegen dem Chaos und eben wegen der Scham deswegen niemanden mehr zu sich nach Hause einladen. Und das hat wiederum etwas mit mangelndem Vertrauen zu tun. Zudem kommen viele mit Vorwürfe- wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen, die Messies sind, einsam sterben mußten, kein Vertrauen zu niemanden, d a s ist verdammt traurig!!!

  • 12 Heidi am 26. Mai 2007, 22:08 Uhr

    Guten Tag Herr Haemmerli

    Vor zwei Tagen habe ich den oben erwähnten Film gesehen. Vielen,vielen Dank dass Sie den Mut hatten, diesen zu drehen. Da ich eine Angehörige eines Messies bin, hat mich dieser Tatsachenbericht sehr berührt und aufgewühlt. Glücklicherweise konnte ich bei einigen Szenen während des Filmes herzlich lachen und das hat mir gutgetan und war sehr befreiend. Wissen Sie, ich habe mich mit Ihnen und Ihrem Bruder sehr verbunden gefühlt, weil ich selber viele Stunden Aufräumarbeiten in einer vermüllten Wohnung geleistet habe um zu helfen. Zu diesem hervorragenden Filmwerk möchte ich Ihnen gratulieren. Herzliche Grüsse Heidi

  • 13 Lorenz am 25. Juni 2007, 23:28 Uhr

    I think what you are doing is great!!! I want to use your color scheme at my sites…

  • 14 Sieghardine am 10. Juli 2007, 09:25 Uhr

    Hallo Herr Hämmerli,

    Habe gestern endlich Ihren Film gesehen und ich fand ihn super! Das ist Leben live! Es müssen nicht immer Mord und Totschlag sein, um einen Film einen Inhalt zu geben.
    Dieser Film wird etwas bewegen, bei Betroffenen und bei Angehörigen und folglich ist dieser Film von Seltenheitswert ohnegleichen. Mutig, Humorvoll, Selbstironisch und dies alles im totalen Chaos!
    Nur – der Hausbitzer möchte ich nicht sein! Ich glaube, dieser findet das ganze nicht so spannend und lustig, besonders was den überhitzten Kamin betrifft!

  • 15 Frank Corbusier am 21. September 2007, 14:42 Uhr

    Ich denke schon, dass das Messiverhalten eindeutig krankhaft ist und dieser Film auch als eine Art Aufklärung angesehen werden kann, denn wenn Sie den Mut haben, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, so schaffen es andere vielleicht auch und sei es nur, um sich Hilfe zu holen und beraten zu lassen, wie sie denn reagieren können und sollen, wenn sie einen solchen Fall in der Familie haben.

  • 16 detlev jackson am 29. Januar 2008, 14:27 Uhr

    Der Film wurde heute abend in Australien gezeigt. Obwohl Englisch meine muttersprache ist, wollte ich nachdem ich diesen Film gesehen habe, und mir darueber viele gedanken mache, gerne was schreiben. Meine Mutter ist Deutsch und nach dem Krieg nach Neuseeland ausgewandert. (Jahrgang 36) Sie hatte immer schon schwierigkeiten sich in der dortigen Gesellschaft anzupassen. Als Kinder sind wir mit den Eltern nach Deutschland zurueckgekehrt, aber da fiel es meinem Vater schwer, und nach einigen Jahren kehrten wir zurueck nach Neuseeland. Meine Schwester und ich wohnen jetzt in Sydney, da es mit der Mutter aenliche Schwierigkeiten gab: Starke mistrauen gegen Fremde und nach dem Tod unseres Vaters vor einigen Jahren eine vershaerferung des sammelns. Sie sagt das sie weiss dass sich alles moegliche ansammelt, aber das sie nicht weisst warum es ihr immer schwerer faellt Sachen wegzuwerfen. Sie erwaehnt auch den Krieg, und meint es ist doch nict richtig etwas wegzuwerfen was doch noch gebrauchen werden koennte, so etwa plastik Tueten, und Flashen die nur einen kleinen Rest haben. Zur Zeit sammelt sie Wiederverwertbares in der Badewanne und wird sehr aufgeregt wenn meine Schwester oder ich versuchen etwas aus der Wohnung zu tragen. Auch eine dringend noetige Reperatur in der Wohnung loest eine riesige Angst aus, Angst und Wut. Keine Briefe werden geoeffnet, auch wenn es was wichtiges ist.
    Danke fuer den Film, das aufdecken und die gleichzeitige zerstoerung, und die Wut, und die hilfosigkeit waren mir alle sehr nah. Wer sowas nicht mitgemacht hat hat oft kein verstaendnis dafuer, wie das auf andere Menschen wirkt. (zb Julia die meint das waere auf die anonyme grossstadt zurueckzufuehren).
    Die Wohnung meiner Mutter ist klein, aber nach ihrem Film werde ich das eventuelle aufraeumen besser ueberstehen koennen.

  • 17 Thomas Haemmerli (Autor) am 29. Januar 2008, 22:00 Uhr

    Vielen Dank für die interessante Geschichte. Ich habe bei meiner Mutter auch immer geglaubt, der Krieg sei entscheidend. Ich habe aber für die DVD (erscheint Ende März) noch einige Interviews mit Spezialisten fürs Bonus Material gedreht. Die sind alle der Ansicht, dass es irgendeine Rechtfertigung sein kann, also die materielle Not der Kriegszeit, Ökologie wie bei meiner Mutter, der Archivgedanke, dass aber das Problem tiefer liegt. Und dass das Messiesyndrom, dann mehr der Ausdruck einer anderen psychischen Krankheit sei.
    Vielelicht müsse Ihre Mutter den Film mal sehen. Es hatte am Filmfestifal in Solothurn, wo der Film gezeigt wurde, eine Dame, die mir erzählte sie sei von ihren Söhnen praktisch genötigt worden sich den Film anzusehen, weil sie unter Messieverdacht stände. Sie hat mir dann erklärt, sie würde ihre Anstrengungen vermehren, ihr Archiv fertig einzuräumen. I hope so!

  • 18 Anja am 22. Februar 2008, 19:08 Uhr

    Wenn man sich mit dem Thema Messie noch nicht weiter befasst hat, sollte man sich diesen Film unbedingt einmal anschauen.

  • 19 Annika am 6. März 2008, 17:51 Uhr

    Was macht man, wenn man in ein Bauernhausgebäude kommt als erstes?
    Ich habe mich übergeben und in dem Loch völlig geschockt und somit verwirrt herumgestolpert.
    Heute morgen um 8 Uhr habe ich ein „Schwarzes Loch“ eines Messie Paares vorgefunden. Die beiden Feiglinge sind weg, nur das stinkige Haus ist noch mein Problem und noch viel wichtiger der noch immer anmir haltende Gestank. Es ist 17.20 Uhr und der faule Eier, Kohl, Fikal und Verwesungsgeruch ist noch immer an mir. Nasenspülung und Muttis Haushaltstipps helfen nicht mehr.
    Wenn ich mich dazudurchringe das Gebäude wieder zu betretten, was muss ich mir an Schutz zulegen? Soll ich gleich mit einem Schaufelbagger in die Flure und Zimmer?
    Was mache ich wenn ich vergangene Lebewesen finde? Das Ehepaar hieß es aus der Nachbarschaft hatte Haustiere. Womit muss man da unter den schwarzen, grauen Müllbergen rechnen? Soll ich den Abdecker ins Telefon speichern, oder gar die Polizei?
    Es ist ein nasser März, soll ich jetzt meinen Urlaub nehmen und eilig das Haus auszuräumen?
    Was rechnet man da an Zeit- Muss man den Müll sortieren? Kann ich damit zur städtischen Entsorgungsstelle?
    Wäre der nächste Gang für mich ein Psychater oder Psychologe, der mich betreut?

  • 20 Ulla am 18. April 2008, 02:01 Uhr

    Detlev, wann wurde der Film in Australien gezeigt und wo, im SBS?

  • 21 Nomade am 18. April 2008, 13:42 Uhr

    Ich habe den Film nicht gesehen, und muss ihn auch nicht sehen. Einen Film über das Problem „Messie“ zu machen ist im Prinzip eine gute Sache. Jedoch das private Leben Ihrer Mutter einem breiten Publikum öffentlich zu machen, finde ich einfach…. mir fehlen die Worte…..unglaublich, um in einer normalen Umgangssprache zu bleiben.
    Dazu kommt die Kälte und Zynismus, mit dem Sie dieses Thema behandeln. Wo bleibt der Mensch dabei, die Gefühle?
    Meiner Meinung nach ist es genau die Kälte der Gesellschaft, die die Menschen in das Messietum treibt. Sie errichten Barrikaden, um sich gegen die zynische Gesellschaft zu schützen.
    Um sich zu schützen gegen Personen wie Sie, die eigenen Söhne.

  • 22 Sebastian am 19. April 2008, 23:12 Uhr

    Danke für den Film.
    Die Erfahrung mit den Reinigungsritualen – Zerstören – gibt die Störung der eigenen Geschichte gut wieder.
    Die Fremdheit der eigenen Eltern ist natürlich erscheckend aber sehr schön in der Fremdheit der eigenen Jugend verpackt.
    Es war für mich deswegen sehr klärend weil die persönlcie Betroffenheit gerade nicht im Vordergrund stand.

  • 23 Elke am 24. April 2008, 07:59 Uhr

    Danke für den Film. Ich fand ihn einfach großartig. Wenn man selbst mit so einem Problem konfrontiert ist, sieht man es mit anderen Augen. Die Vorwürfe, sich nicht um die Mutter gekümmert zu haben, sind haltlos. Vielmehr ist es so, dass die meisten Messies emotionale Zuwendung ablehnen u. die Sammlerei wie ein Panzer gegen die „Außenwelt“ wirken soll. Professionelle Hilfe wird nicht in Anspruch genommen, obwohl das Ganze ja in höchstem Grad pathologisch ist.

  • 24 Anna am 11. Mai 2008, 22:26 Uhr

    Lieber Herr Haemmerli,
    ich habe eben Ihren Film in Leipzig gesehen. Vielen Dank dafür! Ich finde, dass Sie außerordentlich deutlich zeigen, zu welchem Vermüllungsgrad die Messie- Probleme eines Menschen führen können, aber scheinbar nebenbei berühren Sie einige andere Aspekte der späten Eltern-Kind-Beziehung und räumen auch hier äußerst spannend mit Themen, die oft im Verborgenen bleiben, auf: Was, wenn die Nähe nicht reicht, sich auch am Ende des Lebens regelmäßig zu begegnen und auszutauschen? Was, wenn zentrale Konflikte nicht ideal geklärt und verarbeitet werden konnten? Was, wenn man sich als erwachsenes Kind von den Eltern weg-sozialisiert hat und das, weit weg, auch gerne bleiben möchte? Was, wenn die Eltern ihre Kinder, trotz deren Bemühen, nicht mehr an sich heran oder in die Wohnung lassen? Ihr Film räumt für mich insofern auf, dass all diese Themen vorkommen, aber eben nicht psychologisierend hervorgezerrt werden und damit eine idealtypische Klärung/Reinigung/Versöhnung für realistisch und machbar erklärt wird, sondern deutlich wird, dass am Rande mancher Persönlichkeitskonflikte Beziehungskonflikte bestehen bleiben. Ich finde Ihren Film keineswegs gefühlskalt, sondern smart gemacht, wertvoll und entlastend. Darum: Vielen Dank!

  • 25 Claire am 2. Juli 2008, 15:01 Uhr

    Dear Thomas
    I watched your film in Kunming with a Chinese friend this week. I was lent it by Ana. I had to write and let you know it made a big impact on me. I think you have treated your mum with great respect, only showing footage of her in her youth and beauty. This is how she would want people to know her as you say she took great care with her appearance. In the viewer’s mind this is how she will always be remembered.
    It is hard therefore to imagine how she became such an extreme hoarder, but as you uncovered her life, and in particular her childhood, it made sense that she was compensating for a huge amount of loss and disconnection. There is potential for any of us to tip into this kind of chaos, given enough difficult circumstances in our lives. This was how she coped.
    I enjoyed your honesty, and the especially the humorous way in which you look at life and death.
    Claire

  • 26 Kathy Reboly am 10. Juli 2008, 20:22 Uhr

    Dritte Deutschsprachige Messie Tagung
    Psychotherapeutische Aspekte
    7. und 8. November 2008

    Abgeleitet vom englischen Wort mess (= Unordnung) werden jene Menschen Messies genannt, die ihren Lebensbereich drastisch einschränken, indem sie z.B. ihre Wohnungen mit Dingen überfüllen und unter Umständen sich auch die Organisation des Alltagslebens oft extrem erschweren. Aufgrund der Entwicklungen in den USA und in Deutschland ist anzunehmen, dass unter dem Messie-Phänomen – im englischen und amerikanischen Raum als Hoarding bezeichnet – eine größere Anzahl von Menschen leidet.

    Die Dritte Deutschsprachige Messie Tagung setzt sich u.a. zum Ziel, die aktuellen Forschungsergebnisse der Messies-Forschungsgruppe unter der wissenschaftlichen Leitung von Rektor Prof. Dr. Alfred Pritz zu diskutieren. Die klinische und wissenschaftliche Definition, die dahinter liegenden psychodynamischen Prozesse und weitere Aspekte werden beleuchtet. Daher soll mit dieser Tagung versucht werden, dem Messie-Phänomen näher zu kommen, um es besser zu verstehen und Konsequenzen für die effiziente psychotherapeutische Arbeit ableiten zu können.

    Wissenschaftliche Leitung:
    Univ. Prof. Dr. Alfred Pritz und Dr. Elisabeth Vykoukal

    Organisation:
    Mag. Nassim Agdari-Moghadam und Katharina Reboly

    Programm: http://www.sfu.ac.at (Veranstaltungen)

    O Teilnahmegebühr…………………EUR 120
    O Nur Freitag………………………….EUR 50
    O Nur Samstag………………………..EUR 70
    O MP3-CD zur Tagung………………EUR 10
    O Studierende…………………………EUR 60
    O Ausbildungskandidaten……………EUR 60
    O Pensionisten………………………..EUR 60
    O Studierende an der SFU…………kostenlos

    Fort- und Weiterbildung: Der Tagung werden im Rahmen der psychotherapeutischen und psychologischen Weiterbildung 13 Stunden zuerkannt.

    Senden Sie die Anmeldung per Email an messies@sfu.ac.at, per Fax an +43 1 798 40 98 oder per Post:

    Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
    Schnirchgasse 9A
    A-1030 Wien

    Bitte überweisen Sie Tagungsgebühr auf die Kto. Nr. 51430014601 (BLZ 12000 – BaCa) lautend auf Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, Verwendungszweck: „SFU-Messie-Tagung III“ und weisen Sie die Einzahlungsbestätigung am Eingang vor.

  • 27 Sigrid am 13. Juli 2008, 18:07 Uhr

    Ich ziehe meinen Hut. Ich habe mir den Film eigentlich nicht ansehen wollen und bin am Freitag *aus Versehen* reingeraten und konnte nicht mehr aufhören.

    Ich kann nur sagen, wer ihn nicht gesehen hat, kann und darf sich kein Urteil bilden. Der Fim schafft die schmale Gratwanderung zwischen zwangsläufig makaberen Humor und Respekt, er rutscht dabei eben nie in die Geschmacklosigkeit ab.

    Ungebührlich, respektlos, grenzüberschreitend einen solchen Film über die eigene Mutter zu drehen und zu veröffentlichen?
    Diese Sichtweise macht ein solches Suchtverhalten erst überhaupt möglich. Zur Sucht gehört zwingend dazu, dass die Angehörigen, Freunde, Bekannten den Deckelmantel des Schweigens darüber ausbreiten. Genauso wie es dazu gehört, dass Süchtige alles unternehmen, dass niemand über ihre Sucht erfährt.

    Nur wenn beide Parteien sich perfekt an diese „ungeschriebenen Gesetze“ halten, wird Sucht erst möglich!
    Und wird langfristig verhindert, dass Süchtigen in Zukunft geholfen wird.

    Wer ein solchen Film über die Sucht dieser Mutter verurteilt, sollte sich die Frage stellen, was diese Mutter ihren Söhnen zugemutet hat.

    Ich fand es schon unheimlich schwer meinem Vater, der eine leichte Tendenz zum Messie hatte, beim Umzug zu helfen. Man wird in die Intimität seiner Eltern reingezogen und das ist alles andere als einfach.

    Meine Mutter versucht schon heute, möglichst alles so zu organisieren, dass wir Kinder so wenig wie möglich mit ihrer „Hinterlassenschaft“ zu tun haben. So zeigt man auch einen respektvollen Umgang mit seinen Kindern!

    Sigrid

  • 28 lisa köppl am 24. Oktober 2008, 13:06 Uhr

    Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
    MESSIE TAGUNG D-A-CH
    Psychotherapeutische Sichtweisen

    7. und 8. November 2008

    Abgeleitet vom englischen Wort mess (= Unordnung) werden jene Menschen Messies genannt, die ihren Lebensbereich drastisch einschränken, indem sie z.B. ihre Wohnungen mit Dingen überfüllen
    und unter Umständen sich auch die Organisation des Alltagslebens oft extrem erschweren.

    Aufgrund der Entwicklungen in den USA und in Deutschland ist anzunehmen, dass unter dem Messie-Phänomen – im englischen und amerikanischen Raum als Hoarding bezeichnet – eine größere Anzahl von Menschen leidet.

    Die Messie Tagung (D-A-CH) setzt sich zum Ziel, die aktuellen Forschungsergebnisse der Messies-Forschungsgruppe unter der wissenschaftlichen Leitung von Rektor Hon. Prof. Dr. Alfred Pritz zu diskutieren. Die klinische und wissenschaftliche Definition, die dahinter liegenden psychodynamischen Prozesse und weitere Aspekte – wie die Auseinandersetzung mit Angehörigen und jugendlichen Betroffenen –
    sollen beleuchtet werden. Daher soll mit dieser Tagung versucht werden, dem Messie-Phänomen näher zu kommen, um es
    besser zu verstehen und Konsequenzen für die effiziente psychotherapeutische Arbeit ableiten zu können.

    Veranstaltungsort:
    Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU)
    Festsaal im 2. Stock
    Schnirchgasse 9A
    A – 1030 Wien

    Teilnahmegebühr:
    Teilnehmer: EUR 120,-
    Studierende und Pensionisten: EUR 60,-
    Tagungs-CD: EUR 10,-

    Fort- und Weiterbildung:
    Der Tagung werden im Rahmen der psychotherapeutischen und psychologischen Fort- und Weiterbildung 13 Stunden zuerkannt.

    Voranmeldung erforderlich:
    messies@sfu.ac.at
    Fax: +43 1 798 40 98
    Post: Schnirchg. 9A, A-1030 Wien

    Programm, Anmeldungsformular und Angebote für Messies und deren Angehörige unter http://www.sfu.ac.at!

  • 29 Kurt Günther am 30. Dezember 2008, 00:13 Uhr

    Um es vorweg zu sagen: Ich habe den Film nicht gesehen.
    Ich schreibe diesen Beitrag denn ich glaube, es besteht kein Zweifel, daß meine Mutter auch von dem Messie-Syndrom betroffen ist.
    Und meine Brüder und ich, wir stehen dem Problem absolut hilflos gegenüber.
    Wir sehen, daß sich im Keller alles staut und türmt. Trotzdem fährt sie mehrmals pro Woche zu den umliegenden Supermärkten, um nach Sonderangeboten zu suchen. Zur Zeit kauft sie am liebsten Shampoo und Seife. Früher waren es Fliegenklatschen und Staubwedel.
    Sie hat drei Eisschränke im Keller, die alle randvoll sind. Das meiste darin ist lange abgelaufen. Wenn ich den Vorschlag mache, das Abgelaufene wegzuschmeißen, dann faucht sie, daß das doch eingefroren war und man das alles noch essen kann.
    Wenn sie von ihrer Einkaufstour zurück kommt, dann machen wir ihr Vorwürfe und wollen uns nur mal erklären lassen, wofür sie das ganze Zeug braucht und wo sie das alles lagern will. Sie sagt, daß sie irgendwann mal alles aufräumen wird und alles nur vorrübergehend erst mal in den Keller kommt. Sie merkt zwar manchmal auch, daß sie zu viel gekauft hat und weiß nicht wohin damit, denn der Keller ist voll aber trotzdem fährt sie am nächsten Tag wieder los um einzukaufen und ein paar Schnäppchen zu machen..
    Der Schreibtisch ist unter dem ganzen Papier nicht mehr zu sehen. Alte Zeitschriften, Kalenderblätter und Briefe, Stifte und Tesarollen.

    Wir Brüder haben keine Ahnung, wie wir darauf reagieren sollen. Da ist einerseits die Resignation und man sagt sich „… es ist ja ihr Geld und sie ist alt genug…“ andererseits ist da der Ärger, wenn man zu ihr kommt und es immer noch voller ist. Manchmal frage ich sie: „Sag mal, wie viele Leute wohnen hier eigentlich?“ Sie reagiert darauf immer recht gereizt. Da ist von Einsicht keine Spur.
    Wenn wir sie bitten, doch wenigstens ein ganz klein bißchen aufzuräumen, dann sagt sie selbst, daß sie das nicht alleine schafft und aber auf keinen Fall etwas wegschmeißen kann.

    Es ist schwer zu sagen: „meine Mutter hat eine psychische Störung“, aber so ist es wohl.
    Ganz konkret gefragt: „Was kann man da machen?“
    Schimpfen bringt nichts.
    Soll man es akzeptieren?

    Eine Selbsthilfegruppe kommt nur in Frage, wenn die Betroffene das Problem erkennt und ändern will. Das ist nicht der Fall.

    Hat jemand eine Idee?

  • 30 Gwen am 15. Februar 2009, 00:02 Uhr

    Iwould like to know where to purchase your documentry Seven Dumpsters and a Corpse here in Canada. ThankYou Gwen Devitt

  • 31 Ralph am 27. Februar 2009, 21:18 Uhr

    Ich bin Betroffener . Meine Frau sagt von sich selber , daß sie Messie ist .Das Messie-Verhalten meiner Frau ist noch nicht Ehe-zerstörend . Aber es hat dennoch Formen , die ein einvernehmliches Beisammenwohnen stark beeinträchtigen .Es hat die typischen Formen von Messie-Verhalten . Der Tisch , wo wir dran essen , quillt immer wieder von Papier- und Zeitungsbergen über . Im Wohnzimmer stapeln sich auf dem Boden die Bücherberge , weil im Regal kein Platz mehr ist .Und es gibt ein Zimmer , in das man nicht mehr reingehen konnte , weil nach der Tür gleich die Berge von gesammeltem angefangen haben . Ich nutze immer wieder die Zeiten , wo meine Frau außer Haus ist , dazu , auszuräumen , wegzuschmeißen . Das oben genannte Zimmer habe ich jetzt wieder soweit leergeräumt , daß es wieder auf dem Belegungsstand von vor drei Jahren ist . 220kg Restmüll und fast genausoviel Altpapier und Kartonage und Gelber Sack , lt. Wiegung bei der Mülldeponie . Damals hatte ich dieses Zimmer schon einmal ausgeräumt . Ich weiß , daß das Aufräumen durch mich nicht die Lösung für meine Frau ist , aber so habe ich auch wieder Luft , um zu leben . Meine Frau wird nicht begeistert sein, wenn sie zurückkommt . So gibt es aber wieder Platz , um aus dem Wohnzimmer Sachen wegzuräumen , in dieses Zimmer . Die Betroffenen selbst müssen ihr Problem in Angriff nehmen . Ich als naher Angehöriger nehme mir mein Recht auf Leben und werfe daher ohne schlechtes Gewissen die Sachen weg , die ich als Müll oder überflüssig einstufen kann . Wir brauchen nicht von einer Sache zehn Ausführungen , wenn die eine reicht . Man muß auch immer wieder aufpassen , daß man von den Betroffenen nicht ins Bockshorn gejagt wird . Es muß jeder Fall seine eigene Lösung finden . Leider ! Also von mir kein Patentrezept .
    Ralph

  • 32 Ritu am 14. März 2009, 08:36 Uhr

    Just happened to stumble upon your film this evening and found it highly engrossing. I missed the 1st 10 minutes (seems so many of us have done this!) and cannot interpret the German above – please forgive me if I am repeating something already stated. As a physician, I was immediately struck by the fact that your mother had mental illness, probably some form of anxiety disorder / obsessive-compulsive disorder and/or thought disorder. I am not discounting your analysis above, but I think there is a spectrum of hoarding seen, and your mother was clearly on the far end. I don’t think she was just simply failing at being organized but that perhaps she really couldn’t process how to do so or there were „irrational reasons“ she behaved this way. The fact that her mother’s life ended much the same would seem to suggest more of a biological link. I also appreciated your worry about whether this might be something you or your children were prone to developing.
    You and your brother came across thousands of pills – was she actually being treated for a defined illness, or was she „self-medicating“, so to speak? Did you happen to find out if she was actually seeing any physicians and whether they had any clues to her behavior?
    Thanks again for the insightful movie!

  • 33 Karen C. am 14. April 2009, 01:29 Uhr

    I love this documentary. I was entranced the entire time I watched it on television. So many people can relate with what you went through. Learning about your lives was very interesting. Peace!

  • 34 Kristin am 18. Juni 2009, 19:47 Uhr

    Ich hab mir die DVD letztes Jahr gekauft und schaue mir den Film heute nochmal an, weil ich bald umziehe und mich mental auf das Entruempeln meiner Schraenke und meines Kellers vorbereiten muss. Es ist laengst nicht „messie“ level, aber wie eine der Posterinnen vor mit meinte “ der Film ist so reinigend“ das stimmt! Nachdem ich ihn das
    erste Mal sah, wollte ich nur noch Aufraeumen. Danke Herr Haemmerli,
    ich finde es grossartig, dass sie keine Angst davor haben, etwas was in der Schweiz als Tabu angesehen wird, oeffentlich zu zeigen und uns alle an ihrer Verarbeitung teilhaben zu lassen. Und dann dazu noch auf eine sehr gute Art. Gelacht habe ich auch, selbstverstaendlich. Jedoch zu keiner Zeit hatte ich das Gefuehl dass der Film zynisch oder sonstwie voyeuristisch sei.

  • 35 Petra am 7. Juli 2009, 13:20 Uhr

    Ich habe den Film am Sonntag zufällig gesehen. Leider nicht von Anfang an. Der Film hilft mir sehr. Ich entrümpele gerade selber. Mit jedem Müllsack, der im Container landet, fühle ich mich freier und besser. Vielen Dank für den Film. Er ist sehr ehrlich. Die Kommentare von den denen, die den Film gar nicht gesehen haben, verstehe ich nicht. Warum schauen die sich den Film nicht an? Ich kann nur urteillen, wenn ich weiß worüber.

  • 36 Brigitte Pechtrager am 2. August 2009, 17:49 Uhr

    Grüß Gott!

    Vorausschicken möchte ich, dass ich ein Messie bin und sehr gespalten auf diverse Berichterstattungen reagiere.
    Das Erste, was ich von Ihnen wahrgenommen habe, war das Interview bei Kerner. Als offener Mensch fühle ich sowohl mit Ihnen aber ebenso mit Ihrer Mutter und es macht mir perönlich Angst, wie meine Kinder mit dem von mir hinterlassenen Chaos umgehen werden.
    Heute schaute ich mir das Interview – das ist ja alles im Jahr 2007 gewesen – mit der Dame von Star TV an.
    Davor hielt ich Sie für kaltschnäuzig und herzlos, zumal ich – ich muss sagen, eine vernünftige Meinung habe ich immer noch nicht – posthum mit Ihrer Mutter fühle. Wie einsam muss sie gewesen sein, wenn nur Streit sie noch kommunizieren ließ. Wie verletzt war sie. Diese Dinge passieren nur Menschen, die sich Gedanken machen. Depression, Alkoholabhängigkeit sehe ich nur bei „denkenden“ Menschen.
    Ich spreche hier nicht von den Prolls, die sich gedankenlos „zusaufen“, weils schön ist, besoffen zu sein sondern von denen, die diese Gesellschaft mit all ihrer Korruptheit, Wertlosigkeít bei klarem Verstand nicht mehr ertragen können.
    Ihnen, als Journalist, – der sich über Hintergründe informiert und, ich gehe mal davon aus, nicht nur daran interessiert ist, „Seiten zu füllen“, wie es in Ihrer Branche üblich ist weil wir in einer unglaublich oberflächlichen und widerlichen Zeit leben – ist es, wie ich dem Interview entnahm, ein Anliegen, Menschen, sowohl aktiv als auch passiv Betroffene, anzusprechen.
    Auch ich hatte eine Scheidung, nicht aus gut situierter Lage, wie Ihre Mutter, aber auch in Österreich war die Verschuldensfrage 1972 noch ein Thema und als ich meinen Mädchennamen wieder zurückhaben wollte, wäre dafür die Voraussetzung gewesen, dass der Mann mir den Namen aberkennt. Gottseidank haben sich die Zeiten geändert, aber mit diesen Veränderungen kam auch die Wegwerfgesellschaft.
    Ich habe nur Teile des Films, er wurde am 5.7.09 auf 3sat ausgestrahlt, gesehen weil ich es nicht aushalte, den ganzen Film zu sehen. Was ich da aber gesehen habe, war, mit welcher Wut sie die Dinge in den Container (Mulden) warfen. Ich denke, Sie haben da auch einiges aufgearbeitet.
    Als Kleinkinder hatten Sie noch die Liebe Ihrer Eltern, nehme ich an, denn das Filmmaterial ist für meine Wahrnehmung liebevoll.
    Da ich ständig zu verstehen versuche, was die Ursache für mein „nichts wegwerfen können“ ist, und den Wiedererkennungsfaktor, „ich kann mir nicht helfen lassen“, vielleicht aus der Angst heraus, „fremdbestimmt“ zu sein. Parallel dazu die Unwertbehandlung z. B. des Verwalters des Vermieters, die mich wütend macht und ein Dilemma erzeugt, weil ich es ja zum Teil verstehe, aber ich doch deshalb kein schlechter oder gar schlechterer Mensch bin. So geht man auch mit obdachlosen Menschen um, die sich sowieso schon am Rand dieser „Scheiss“- Gesellschaft befinden. Dann die Berichterstattung der Sensationsjournaille, die sich am Dreck der „anderen“ aufzugeilen scheint und die ebensolche Zuseherschaft. Dann die nicht wirklich hilfreiche Erkenntnis, „so schauts bei mir eh noch nicht aus“ vielleicht bin ich gar kein Messie? Dazu die Angst, ich bin 61 Jahre alt, es könnte jeden Tag vorbei sein und was dann? Dann kommt wieder der Wille, wenigstens eine kleine Ordnung aufrechtzuerhalten, damit man nicht sagen kann „das war aber ein Schweindl“, ohne damit das Tier verunglimpfen zu wollen.
    Ihr Erscheinen in den Medien hat bei mir einiges ausgelöst zum Teil gab mir das, was ich von Ihrem Film bisher gesehen habe, auch Kraft.
    Wie gesagt, dieses ausführliche Interview wirft für mich ein völlig neues Licht auf Sie.
    Immer noch uneins mit mir möchte ich mich jedenfalls bei Ihnen bedanken, denn Sie bringen zumindest was in Bewegung. Vielleicht ist Ihnen mein Schreiben zu banal, um es zu beachten, aber mir, glaube ich, hat es geholfen.

    Mit einem freundlichen Gruß aus Innsbruck verbleibe ich

    Brigitte Pechtrager

  • 37 Brigitte Pechtrager am 2. August 2009, 18:05 Uhr

    Herr Hämmerli hat die Email beantwortet und darum gebeten, das öffentlich zu sagen. Ich habe die Email kopiert und hier eingefügt, was bei meinem Internetwissen eine Leistung ist.
    Viel schlimmer als das Aufarbeiten der eigenen Schmerzen finde ich das „Vorführen“ von Messies und deren Behausungen – man kann da manchmal nicht von Wohnung sprechen, da man da ja nicht wohnen kann – und wie aus vielen Reaktionen zu entnehmen ist, ist das für einige Menschen ein heilsamer Schock.
    Engstirnigkeit und „nicht hinsehen wollen“ helfen keinem Messie. Zur Aufklärung: es ist eine Zwangserkrankung und in Verbindung mit Depression kann es dazu führen, dass das Chaos nicht mehr „gehändelt“ wird, Das ist auch mir zeitweise, besonders in der Zeit, als ich noch unter Psychopharmaka (bis 2003) stand, passiert und ich überhaupt nichts mehr auf die Reihe bekam.
    Brigitte Pechtrager

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