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Mulden auf 3sat: Sie haben das Wort! Ich repliziere: Katzenhalterethikdilemma

Thomas Haemmerli am 28. Mai 2009 am 13:31 Uhr und 79 Kommentare

Weil der Film schon in diversen Ländern im TV und im Kino gezeigt wurde, hat schon einiges an Debatte statt gefunden. Sie finden unter TV-Talks zwei Fernseh-Interviews, in denen ich Red‘ und Antwort stehe. Unter „Presse und Kontakt“ finden sich Pressedossiers udn Artikel, die sich herunterladen lassen. Und wenn Sie auf dieser Seite etwas surfen, finden sich diverse Debatten mit und unter Zuschauern. Ausserdem ist am Freitag den 10. Juli im SWR-Fernsehen die Talksendung Nachtcafé der die Frage gewidmet: “Wie viel Ordnung braucht der Mensch?”

Dort kam die Messie-Problematik eher am Rande vor, ich ärgerte mich aber, weil der eingeladene Psychologe bzw. „Diplompsychologe“ wie er sich nennt Michael Thiel ausgangs treuherzig verkündete, man müsse Messies halt ein wenig helfen, dann könne man es schon schaffen. Das ist kompletter Quatsch und zeugt davon, dass Thiel in Sachen Messies kein grosser Spezialist ist.
Es ärgerte mich auch darum, weil meinem Bruder und mir nach jeder Ausstrahlung die Vorhaltung gemacht wurde: „Hättet ihr euch mal um eure Mutter gekümmert und ihr geholfen, dann wäre sie nicht vereinsamt und elendliglich im stinkenden Chaos krepiert und der Leichnam wäre nicht wochenlang im Müll gelegen.“

Interessanterweise sind es meist Messies oder Angehörige von Messies, die uns verteidigen, wie die vorangegangenen Debatten hier belegen. Abgesehen davon, dass die Vorwürfe totaler Quatsch sind. Aber der Reihe nach.

Gestorben ist unsere Mutter an Herzversagen. Sie lebte gesund, trank keinen Alkohol, rauchte nicht und ging täglich mit ihren Hunden spazieren. Für eine Knie-Operation war sie noch auf Herz und Nieren geprüft und für gesund befunden worden. Aber eines Tages holt uns alle der Tod, und es gibt keinen Grund anzunehmen, zwischen dem Chaos und ihrem Ableben habe ein kausaler Zusammenhang bestanden.

Von Einsamkeit kann keine Rede sein. Obzwar ich nur selten Kontakt mit ihr hatte, sah mein Bruder sie oft. Sie wohnte einmal eine Weile bei ihm in München und sie mischte sich kurz vor ihrem Tod kräftig ein, wie mit dem Kind zu verfahren sei, dass mein Bruder und seine Frau kurz vor ihrem Tod erwarteten. Und sie tat sich leicht, Leute kennen zu lernen, sprach Fremde an und kannte viele Tierfreunde, wegen der Spaziergänge mit ihren Hunden und all der Katzen, die sie von Griechenland mitbrachte und platzierte. Anzunehmen, man hätte kein Sozialleben, bloss weil man niemanden in seine Wohnung lässt, ist Nonsens!

Falsch ist auch die Vorstellung, Messie-Wohnungen seien immer grauslich und es würde nach verfaulten und verrotteten Abfällen stinken. Im Falle unserer Mutter war die Wohnung zwar voll, zwischen den Kartons waren Staub und Katzenhaare, verfaulte Essensreste oder richtig eklige Sachen gab es in der Wohnung aber keine. Das ist ein Punkt auf den viele Messies Wert legen und mit dem sie sich zuweilen abzugrenzen suchen, von Leuten die vermüllen. Nach allem was ich weiss, bin ich mir nicht sicher, ob sich die Unterscheidung so aufrecht erhalten lässt. Es gibt Messies, die vor allem Papier und Kartons sammeln. Und es gibt überbordende ebenso zwanghafte Sammler, die auch organische Dinge behalten, die verrotten können. Einen Extremfall sah ich in einem britischen Dokumentarfilm zum Thema: Da wurde ein Mann porträtiert, der nicht nur jede Nacht in Mülltonnen Dinge rausfischt und nach Hause bringt, sondern der in grossen Fässern auch seine Fäkalien sammelt. (Ich würde sagen: Ein gefundenes Fresse für Freudianer!)
Ob der Mann jetzt als Messie bezeichnet oder nicht, auf jeden Fall muss man zwanghafte Horter unterscheiden von Menschen, die im Müll leben weil sie verwahrlosen. Das Paradebeispiel ist der Junkie, der seinem Rausch frönt und sich ansonsten der Nachschubbeschaffung widmet. Kommt bei diesem Typus ein Sozialdienst oder eine gute Seele vorbei und räumt den Dreck weg, so freut das den Junkie.
Messies dagegen wollen ihre Schätze behalten oder selber durchsehen und wehren sich dagegen, wenn jemand bei ihnen aufräumt. Eva S. Roth, die als bekennende Messie mit mir im Nachtcafé sass beschreibt in ihrem Buch, wie eine wohlmeinende Freundin sie überraschen wollte und heimlich in ihrer Wohnung aufräumte. Roth nahm das der Freundin übel. Sehr übel. Im grossartigen Roman „Der Sammler“ von Evelyne Grill kämpft die Hauptperson darum, die Sachen behalten zu können und fühlt sich im selbst geschaffenen Chaos wohl. Kurzum, Messies warten nicht auf die dargebotene Hand, die sie aus dem Chaos zieht. Und sie sind äussert kreativ darin, den Zustand der eigenen vier Wände zu verschleiern.
Unsere Mutter sagte immer wieder: „Jetzt kommt ihr dann zu mir zum Essen!“ Irgendwie ging aber immer etwas schief. Wenn mein Bruder ihr die Einkaufstüte in die Wohnung tragen wollte, sagte sie: „Habe ich fast vergessen, ich muss schnell zum Nachbarn, stell die Sachen vor die Türe.“
Jannice Pinnow, Messie und Leiterin einer Selbsthilfegruppe, mit der ich bei Kerner in der Sendung war, erzählte mir von einem Messie, der im Garten immer ein Fahrrad bereitstehen hat. Wenn es klingelt, setzt sich er Messie aufs Rad, fährt ums Haus herum und ruft: „Hallo! Ich muss gerade weg.“
Es gibt zwei Gründe, warum Messies andere nicht in ihre Wohnung lassen. Es ist einerseits Scham. Andererseits ist es die Angst, es könnte von Freunde, Angehörigen oder Verwaltungen Druck aufgebaut werden, aufzuräumen und Dinge weg zu werfen.
Typisch für Messies ist deshalb auch, beim Bezug einer neuen Wohnung sofort die Schlösser auswechseln zu lassen, so dass Verwaltungen keine Chance haben, in die Wohnung zu kommen. Das hat unsere Mutter auch so gemacht.
Selbst wenn wir also gewusst hätten, wie es in ihrer Wohnung aussieht, wir hätten keine Chance gehabt, etwas zu unternehmen. Es war für uns schon schwierig genug, sie mit Überredung und Druck dazu zu bringen, dass wie ihre Finanzen sanieren und ihr eine anständige Altersvorsorge organisieren konnten. Für die mein Bruder und ich u.a. das von einer Millionenklage bedrohte Erbe unseres Vaters akzeptierten, womit wir beide schlagartig unter dem Damoklesschwert eines Privatkonkurses standen.
Energische und eigenwillige Person die sie war, war unsere Mutter über unsere Hilfe nicht etwa dankbar, sondern verbat sich immer wieder Einmischungen in ihre Angelegenheiten. Kurzum, auf dem Holzweg ist, wer meint, wir hätten ihr Leben ändern können, selbst wenn wir gewusst hätten wie es in der Wohnung aussah. Das wird einem übrigens auch bei anderen Süchten und Zwängen in Angehörigenselbsthilfegruppen beigebracht: Man muss sich von Schuldgefühlen befreien, weil man nicht fürs Lebensglück der Angehörigen verantworlich sein kann, wenn diese Junkes, Alkoholiker oder Messies sind. Detailliert erklärt das ein Kurzratgeber für Angehörige von Messies, den ich unserem Diplom-Psychologen zur Lektüre empfehlen würde.

Ein Fehlurteil, dass mir oft auch in Filmkritiken begegnete, ist die Aussage, unsere tote Mutter habe „wochenlang“ in ihrer Wohnung gelegen. Der Grund, warum der Leichnam so stark verweste, war die Bodenheizung im Bad, wo der Leichnam lag. Die Verwesung ging deesahlb so schnell und aufgrund der Untersuchung des wissenschaftlichen Dienstes der Polizei sowie aufgefundener Post wissen wir, sie lag zwischen vier und zehn Tagen da. Und da sie kein Email und kein Handy benutzte, obwohl wir ihr Handies gekauft und Mailadressen eingerichtet hatten, da sie keinen Telefonbewantworter wollte und ihr Telefon oft nicht abnahm, war es nicht ungewöhnlich, dass man sie nicht erreichen konnte. Mein Bruder hatte es ein paar Mal versucht und mir gesagt, wenn sie an deinem Geburtstag nicht anruft, dann ist etwas krumm.

Soweit zum Vorwurf: : „Hättet ihr euch mal um eure Mutter gekümmert und ihr geholfen, dann wäre sie nicht vereinsamt und elendliglich im stinkenden Chaos krepiert und der Leichnam wäre nicht wochenlang im Müll gelegen.“

Die Frage, ob man Mutterns Dildo und die Scheidungspapiere der Eltern thematisieren soll, wird hier beantwortet.

Was meine eigene Ordnung anbelangt, habe ich dem Standard anvertraut und ausserdem behaupte ich als Utopist des Digitalen, es gibt Hoffnung für Messies und manische Sammler.

Und wenn Sie’s gerne anzüglich haben, emfehle ich das Lululied, das Sie hier hören oder frei runterladen können.

Und damit gehört das Wort Ihnen!

79 Kommentare

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

  • 1 Lüri am 13. Juni 2009, 10:24 Uhr

    Ich habe es mir angeschaut:
    recht imposant und Originell!

  • 2 Matthias am 5. Juli 2009, 23:09 Uhr

    Habe den Film soeben gesehen! Super Film! Sowohl im Schnitt als natürlich am Thema.

    Danke sehr und viel weiteren Erfolg!

  • 3 Leonie am 5. Juli 2009, 23:14 Uhr

    Trotz der Schwere des Problems, habt ihr den Sinn für Humor nicht verloren! Klasse Film!

  • 4 anne-lu am 5. Juli 2009, 23:19 Uhr

    ein grandioser film. eine schöne art das thema tod/familie zu verarbeiten und eine angst die auch in mir lebt, wenn ich an meine eltern denke.
    danke schön.

  • 5 Veronika am 5. Juli 2009, 23:22 Uhr

    Hat mich oft an meine eigene tote Mutter erinnert. Ohne Humor ist ein solcher Wahnsinn nicht zu schaffen. Tolle Herangehensweise, euer Film. Allein die “Schlüssel-Szene” mit der Musikunterlegung – wirklich klasse. Der Film war wie ‘ne Therapiestunde für alle Messie-Geschädigten. Danke sehr und viel Erfolg weiterhin.

  • 6 Gabie am 5. Juli 2009, 23:30 Uhr

    Reingezappt und fasziniert hängengeblieben. In den ersten Minuten auch die Gedanken “ ….jaaaaaa, hätten die nicht ….? ….“ Aber der Film machte mir schnell klar, daß das nicht die richtige Frage ist ! Eine faszinierende Dokumentation in einer sehr guten Aufbereitung, die Kombination aus aktuellem Geschehen und geschichtlichem Hintergrund ist sehr gelungen und baut Spannung auf, man will mehr wissen. Irgendwann konnte ich dann so richtig mitfühlen, wie befreiend das teilweise sein mußte, den Kram aus dem Fenster zu werfen ;-)

    Weiterhin noch viel Erfolg mit diesem Film & Thema

  • 7 Hubert am 5. Juli 2009, 23:31 Uhr

    Ein wunderbarer Film.
    Danke.

  • 8 marion am 5. Juli 2009, 23:36 Uhr

    habt ihr euch jemals intensiv mit eurer mutter beschäftigt? aus vertrocknetem leichensaft, müll und streunenden katzen in griechenland noch kapital zu machen – ich finde euch verwerflich. kann nur hoffen, dass es nicht noch mehr solcher kreaturen gibt und wenn ja, dass man sie erkennt.

  • 9 john am 5. Juli 2009, 23:37 Uhr

    hut ab!
    gut entwickelt!
    mit herz und humor gemacht!

    löse gerade die wohnung (und den keller!) meines opas auf und bin, wie eben dieser auch, mit wohltemperiertem messievirus infiziert…

  • 10 Aniko am 5. Juli 2009, 23:39 Uhr

    Wegen der Vorschau auf 3sat hab ich mir etwas Leichteres vorgestellt, nicht diese schwere Kost. Sehr heftig, aber beeindruckend.

  • 11 Thomas am 5. Juli 2009, 23:50 Uhr

    Danke für diesen tollen Film und die Hintergründe die ihr so schön gestaltet eingebracht habt.
    Er hat mich gefangengenommen und nachdenken, ja mitfühlen, lassen.
    Toller Film

  • 12 Chris am 5. Juli 2009, 23:53 Uhr

    Ein Film, auch über die Vergänglichkeit es Lebens.
    Ein Film, der in mir dir Fragen aufkommen lässt, was WIRKLICH wichtig ist im Leben: Besitz, Geld, Recht haben (Prozesse führen), Gesundheit, Reisen, …
    Schöner Film! Und aufrüttelnd zugleich.

  • 13 Christoph am 6. Juli 2009, 00:09 Uhr

    Ehrlich und direkt! Fand die Doku in vielen Passagen sehr beeindruckend! Filmisch gut gemacht ist sie sowieso.

    Vor allem imponierte mir die ehrliche und wohl nicht immer sehr opportune Art des Umgangs mit der toten Mutter. Eigene Empathie kann man nicht erzwingen, auch wenn es mit der vorgegebenen „moralischen Norm“ unserer Gesellschaft nicht übereinstimmt, dies offen zu sagen. Schließlich soll man beispielsweise ja auch nicht schlecht über Verstorbene reden. Aus diesem Grund wundert es einen auch nicht, wenn sich hier mancher darüber empört, dass ihr dieses ungeschriebene Gesetz in eurer Doku nicht eingehalten habt.
    Mein Ansatz ist da ein ganz anderer. In Wahrheit unerträglich ist doch dieses verlogene „Betroffenheitsgetue“ und „Trauergespiele“ , das man so häufig wahrnehmen muss. Nach dem Tod, auf der Beerdigung, spielt man für alle sichtbar den liebenden und treusorgenden Familienangehörigen und stand dem Verstorbenen in Wahrheit niemals wirklich nahe.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich übrigens, dass schwarzer Humor bei solchen Themen manchmal das notwendige Mittel ist, um selbst nicht vollkommen zu verzweifeln und zu verdrängen. Verdrängung ist per se zwar nicht wirklich eine gute Lösung, manchmal ist sie aber unumgänglich, wenn man einigermaßen normal weiterleben will….

  • 14 doris am 6. Juli 2009, 00:54 Uhr

    Es gab Szenen die waren durchaus zum schmunzeln da sie einen Hauch von menschlicher,liebevoller Betrachtung hatten…

    …und Szenen die mich total abgeschreckt haben,nein ich sollte schreiben; angewidert haben,ob fehlender menschlicher Regungen….

    Komisch,mir fällt nur ein Wort dazu ein… Loser

  • 15 Antiteilchen am 6. Juli 2009, 01:19 Uhr

    Und ich wunderte mich schon wo plötzlich der ganze Traffic auf meiner Seite herkam ;-)
    Ich habe den Film ja damals schon im Kino gesehen und war sehr beeindruckt!

  • 16 Matthias am 6. Juli 2009, 01:33 Uhr

    @marion:

    was ist daran verwerflich – wenn man jahrelang die mutter unterstüzt hat und diese dann noch die eigenen kinder verklagen wollte – auf zuzahlung von weiteren 2500,- schweizer franken??

    was hat die mutter zurückgelassen? einen sauhaufen – 1 monat entrümpeln, 7 mulden – schon mal an die kosten & arbeit gedacht?

  • 17 holger am 6. Juli 2009, 05:11 Uhr

    Zwei smarte Jungs, die simple Rache an der Mutti zum ironischen Aufklärungsstück hochsexen. Mich fröstelt vor der Effizienz ihres Gefühlsmanagements. Respekt vor dem Scheitern scheint ihnen unbekannt.

  • 18 Mimi am 6. Juli 2009, 06:32 Uhr

    sehr ehrlich. sehr menschlich. daher wunderbar. auch schonunglos. daher kathartisch. wir ALLE haben doch unsere sonnen UND unsere abgründe.

  • 19 Mimi am 6. Juli 2009, 07:54 Uhr

    Messie – Gesammeltes Leben?

    Heute birgt EINE Wochenendausgabe der New York Times die Menge (Masse) an Information eines ganzen Lebens des 17. Jahrhunderts.

    Früher war ich lustvoll auf Flohmärkten unterwegs und war erst zufrieden, wenn ich an ALLEN Ständen ALLES gesehen hatte. Und vorher habe ich auch nichts gekauft, sogar auf das Risiko hin, dass es später vielleicht nicht mehr verfügbar wäre. Irgendwann würde sich eine neue/nächste Gelegenheit ergeben. Heute gibt es kein IRGENDWANN mehr. Entweder du nimmst (und behälst) es oder es ist weg, weil schon tausende neuer Möglichkeiten angejagt kommen. Behalten bedeutet aber auch, wahrscheinlich nicht mehr dazu kommen, es in irgendeiner Form aufzuarbeiten, etwas damit zu tun, weil das Neue seinen Tribut erfordert, schon bevor du dazu kommst.

    Heute fühle ich mich schon bei dem Gedanken an Flohmarkt erschlagen.

    Früher habe ich vor einem Kauf das jeweilige „Test“-Heft gelesen, verglichen, entschieden, gekauft und dann, oftmals viele Jahre, sogar Jahrzehnte, glücklich und zufrieden damit gelebt, bis das Teil nicht mehr zu gebrauchen oder nicht mehr reparabel war. Jeden Verlust habe ich ehrlich betrauert, weil die Entscheidung zuvor DAFÜR so stimmig war.

    Bis ich dann z.B. von einem Lippenstiftkauf (Haarshampoo, Schrauben etc.) zum nächsten feststellen musste, dass „meiner“ einfach abgeschafft worden war. Zweimal hatte ich noch den Mut (und die Zeit), die Prozedur zu wiederholen. Aber Zeit und Masse in enger Verbundenheit sind heute schneller als du.

    Meine Grundhaltung heute ist: „Kaufe möglichst gar nichts mehr“.

    Glück ist, wenn ich etwas entdecke, es „passt“ und der Preis ist ok. Also spontan. Mit Bauchgefühl. Und dem sicheren Wissen, von allem anderen lieber „die Finger zu lassen“.

    Also von Einkäufen, vor denen man sich, zuhause angekommen, regelrecht ekelt. Unnötig, unnütz, audfdringlich. Das ist wohl einer der Mechanismen, der bei Messies nicht mehr funktioniert.

    Das klappt inzwischen (auch aus finanziellen Gründen, aber nicht nur) sogar mit Büchern. Mit „Papier“ (= Information) leider noch nicht. Aber ich bin für mich persönlich der Sache auf der Spur. Ich habe dabei das sichere Gefühl, dass ich alles, was sich an Papier angesammelt hat, wegwerfen kann, ohne einen wirklichen Verlust zu erleiden, sondern vielleicht eher einen Befreiungsschlag. Wenn da soviel „Zeug“ ist, wer schafft es denn noch, es für ein Referat oder Seminar aufzuarbeiten, es sei denn, es wäre perfekt vor-geordnet.

    Es ist ja nicht mehr das Wissen. Das vorhandene Wissen ist im Grunde jedem durch das Internet zugänglich. Heute ist es das WER macht WAS auf eine persönliche Art aus dem Wissen.

    Seit ich seit längerer Zeit erwerbs (nicht arbeits)los bin, benutze ich nur noch eines von drei Zimmern. Auch zum Schlafen. Einfach, um einen Überblick zu behalten. Und ich weiß nun zwangsläufig, wie wenig man braucht, um zu (über)leben. Und was wirklich fehlt, wenn es nicht mehr verfügbar ist.

    Darüberhinaus muss ich aufpassen bei dem, was einem gutmeinende Menschen alles schenken wollen …

    Zum „Aufarbeiten“ der Eltern (anderer Dinge, Menschen, Situationen) sei vielleicht noch gesagt, verstehen (und verzeihen?) geht nur dann in die Tiefe, wenn wir das SOWOHL ALS AUCH in seiner Ganzheit akzeptieren. Lachen und weinen, helles und dunkles, schönes und schreckliches, rotes und blaues. Das eine tun und das andere nicht lassen.

  • 20 Davide am 6. Juli 2009, 07:55 Uhr

    Ich habe den Film schon zwei Mal gesehen: extrem (interessant, lustig, traurig)
    Vielen Dank.

  • 21 Natascha am 6. Juli 2009, 08:07 Uhr

    Ich würde mir den Film mal zur Hauptsendezeit in den Öffentlich-Rechtlichen wünschen – aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.
    Danke für das Aufwühlen, für das Tabu brechen, für das Nachdenken!

  • 22 Hellen am 6. Juli 2009, 10:27 Uhr

    Durch Zufall bin ich auf die Doku gestoßen und konnte nicht mehr abschalten.

    Ob Messie oder nicht, was bleibt von uns, wenn wir gehen und was wollen/können wir den anderen hinterlassen? Welches Erbe muten wir unseren Nachkommen zu? Auch Nicht-Kranke Menschen machen sich doch darüber meist keine Gedanken.

    Jeder Mensch hat ein Recht darauf, auf seine eigene Form von Verarbeitung und Trauer zu finden. Und was liegt näher, als das mit den Mitteln zu tun, die einem am nächsten sind? Ich danke auf jeden Fall für diese sehr zum Nachdenken anregende Doku. Sie wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Ein wenig mehr Humor und ein wenig mehr Nachsicht würde manchen sehr gut anstehen!

  • 23 Hani am 6. Juli 2009, 10:56 Uhr

    Jetzt begreife ich, dass es bei meinem Vater (95) im Keller völlig harmlos aussieht! Verstanden habe ich es aber schon immer – wenn nichts da ist zum Waschen (im Ural im Gefangenenlager 1942 – 1949), verwahrt man jahrzehntelang auch Seifenstückchen mit Pilzrasen drauf. Für alle Fälle eben.

  • 24 Oliver am 6. Juli 2009, 11:05 Uhr

    Hallo liebes Filmteam,
    Familie M. aus Berlin (45 J, 45 J, 18 J) hat gestern abend begeistert vor dem Fernseher gesessen. Genial und gruselig zugleich. Ihr Schweizer Filmemacher seid cool!

    Leider sind uns dabei einige Fragen gekommen … haben wir nicht auch engste Verwandte mit so einen Messie-Dasein? Ja, aber ähnlich wie im Film hat man zu diesen Menschen schon zu Lebzeiten ein unterkühltes Verhältnis.

  • 25 Claudia am 6. Juli 2009, 11:38 Uhr

    Der Film hat auf unglaublich gute Weise Einblick gewährt in das, was man erlebt, wenn man einen Messi Haushalt auflösen muss.
    Ohne den „Galgenhumor“ kann man das gar nicht leisten.

    Danke!

  • 26 Sabine am 6. Juli 2009, 11:40 Uhr

    Habe gestern die Dokumentation gesehen und war zutiefst fasziniert. Weniger über das Chaos, mehr über das Leben der verstorbenen Protagonistin. Das war doch sehr aufschlußreich, wie eine anscheinend verpfuschte Kindheit sich bis ins Alter auswirken kann.

    Vielen Dank für den teilweise intimen Einblick in das Leben und Innenleben aller Beteiligten.

    Ich hatte den Fall einer Sammlerin in der Verwandtschaft, (kein Messie, alles war ordentlich verstaut und präsentiert). Hier hat mir nach dem Ableben der Tante doch sehr zu denken gegeben wie ihre wertvollsten Besitztümer in den Sperrmüll gewandert sind. Der Sohn hatte ein ähnlich distanziertes Verhältnis zu seiner Mutter, auch sie hatte wichtigere Dinge im Auge als ihren Sohn.
    Eins interessiert mich noch, haben Sie die Ferienresidenz auch noch ausgeräumt oder hat Sie irgendwann die Kraft verlassen?

  • 27 Mike am 6. Juli 2009, 12:18 Uhr

    Ich habe selten eine so abschreckende Doku auf 3Sat gesehen.

    Nicht was das Messie-Dasein der Mutter angeht (sowas sieht man ja mittlerweile häufig im deutschen Fernsehen), sondern was die Unfähigkeit ihrer Söhne betrifft, mit ihrem Tod (und wahrscheinlich auch ihrem Leben) umzugehen.

    Hinzu kommen die sehr nervigen Schnitte und Soundeffekte, deren Sinn mir überhaupt nicht erschließt.

    Außer der Botschaft, sich zu Lebzeiten mehr um seine Mutter zu kümmern (und die Finger von Drogen zu lassen), seh ich keinen Sinn in dieser Dokumentation.

  • 28 Ulla am 6. Juli 2009, 12:56 Uhr

    Ich denke, es gehört sehr viel Mut dazu, einen derartigen Film zu machen. Wenn Sänger den Tod ihres Kindes oder Partners in einem Lied verarbeiten, schwappt die universale Mitleidswelle, CDs werden gekauft und zu ihrem Klang geweint, und nebenbei verdient der Interpret hier auch noch wirklich viel Geld. Bei Dokus ist es anders: wir machen uns keine schönen, romantische Bilder im Kopf, sondern der Filmemacher zeigt uns seine realen Bilder. Die internationale Reaktion auf diesen Film zeigt, wie sehr das Thema Menschen überall berührt. Vielleicht auch, weil die Wohnung eines Messies uns in Mikoversion die Vermüllung unserer Welt darstellt, an die wir gar nicht gerne erinnert werden.

    Es ist interessant, wie sehr wir Laien dazu tendieren, bei einer Ursachenforschung auch gleich Schuldzuweisungen mitzuliefern. So geben wir gern dem körperlich Kranken selbst und seinem ungesunden Lebensstil schuld, während wir uns bei Verhaltensstörungen und psychischen Problemen oft sicher sind: es war das böse Umfeld und die Angehörigen!
    Dabei wird übersehen, dass eine Situation aus der Nähe betrachtet fast immer normale Züge annimmt, dass sich Familienitglieder untereinander kaum etwas sagen lassen, und dass Angehörige eines Messies – besonders wenn sie auch Mitbewohner sind – sich in einer demütigenden Situation befinden. Denn wie bei so vielen anderen Verhaltensauffälligeiten auch ist eine besondere Charakteristik des Messis oft sein Egoismus: langsam, beständig und gewaltsam besetzt er den Lebensraum seiner Mitmenschem mit Gegenständen und gibt ihnen zu verstehen, dass ihre Gegenwart durch „Dinge“ ersetzt werden soll.

    Ich glaube, beim Müll-Messie ist die Situation eventuell anders entstanden: es würde mich nicht wundern, wenn alles harmlos begann, vielleicht hat er irgendwann den Anschluss an die vielen neuen Abfallbeseitigungsgesetze verpasst, hat erstmal gesammelt und irgendwann nicht mehr den Mut gehabt, was wegzubringen oder jemandem um Hilfe zu fragen. Dann ist vielleicht das Klo verstopft, aber man traute sich nicht mehr, den Handwerker reinzulassen, also werden für die Ausscheidungen Behälter verwendet, und was eigentlich banal begann wird zu einem Drama.

    Ich denke, dieser Film kann ein Ansporn sein, einfach in Zukunft mal genauer hinzuschauen: wenn uns jemand von seiner umfassenden Zeitschriften- oder Pozellanfigurensammlung erzählt oder was auch immer. Hinschauen und das Verhalten eines Messies akzeptieren, ohne dass er sich rechtfertigen muss und ohne diesen penetranten Größenwahn, anzunehmen, dass unser Verhalten normal ist und wir andere heilen müssen, die diesen Standards nicht entsprechen. Und vor allem: für die Angehörigen da sein, ohne sie zu verurteilen.

    Und zuletzt noch meine Lieblingstheorie zu diesem faszinierenden Thema: wie kleine Kinder baut sich der Messie eine Höhle aus Objekten, wobei der sentimentale Wert der Objekte sekundär ist und diese hauptsächlich dazu dienen, ihm seinen Aufenthaltsraum zu verkleinern. Und der ist irgendwann so klein, dass er einen nahezu prenatalen Schutzraum, einen Uterus bildet, der den Messie vollständig umhüllt.

  • 29 evelyn am 6. Juli 2009, 14:30 Uhr

    Nach dem anfänglichen Schock bei der Betrachtung Ihrer „Tragik-Komödie“ habe ich mich gefragt, was ich beim Aufräumen bei meiner Mutter wohl fühlen werde? Wow, Sie trauen sich was!
    .
    So viel Wahrheit tut weh!

    Sie haben mehrere Tabus gebrochen:

    Man soll nichts Negatives über Tote sagen!
    Mütter sind Heilige – erst recht nach dem Tod!
    Man wäscht keine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit!
    Du sollst Vater und Mutter ehren!
    usw.

    Die rosa Grabrede
    Wird man der Persönlichkeit eines Verstorbenen gerecht, wenn man nicht den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten darf mit all seinen Macken, Gemeinheiten, seiner Blödheit, seinem Egoismus? Hier ist allerdings der Kontrast zwischen Äusserlichkeit und Innenleben
    besonders drastisch.

    Die „Heilige“
    Sie haben die Persönlichkeit dieser Frau mit all ihren Gegensätzen und Widersprüchen erfasst.
    Wird eine Frau durch Mutterschaft automatisch zur Heiligen?
    Dann würden wir alle von Heiligen abstammen – schöne Vorstellung! Die posthume Verklärung, wie die Gesellschaft sie fordert, entspricht einem Idealbild, dem niemand gerecht wird. Und wieso gilt diese „Heiligsprechung“ eigentlich nicht für Väter?

    Schmutzige Wäsche
    Toll, dass Sie den Mut hatten, Familien-Geheimnisse zu entdecken und so schonungslos offenzulegen. Und das im diskreten Zürich!
    Damit haben Sie sicher auch die eigene Kindheit und Herkunft „entmüllt“. Die Familiengeschichte bis hin zu den Gross- und Urgrosseltern lässt einen fragen: Wie viel aus diesen bewegten Leben steckt auch in mir? Epigenetik und so.

    Ehre Vater und Mutter
    Dieses Gebot ist keine Einbahnstrasse. Wurden Sie als Kinder geehrt? Haben Ihre Eltern einander geehrt?
    Ein solches Chaos zu hinterlassen zeigt, Ihre Mutter hat sich selbst nicht geehrt und schon gar nicht jene, die das Chaos beseitigen müssen, was voraussehbar war.

    Wie es aussieht hat Ihre Mutter sinnlose Kämpfe geführt an allen möglichen Nebenschauplätzen. Den Kampf gegen sich selbst hat sie aber nicht aufgenommen.

    Dass sie schon eine Unterhaltsklage gegen ihre Söhne vorbereitet hatte, spricht für sich.

    Ich kann gut verstehen, dass Sie immer Distanz gesucht haben. Sicher haben Sie in all den Jahren nicht abseits gestanden und Ihre Mutter ins Verderben rennen lassen. Kann mir aber gut vorstellen, dass die Dame beratungsresistent war und keine Hilfe annehmen wollte.

    Aber was ist mit der Liebe? Können Sie Liebe empfinden angesichts dieser Realitäten? Oder Verständnis und Mitgefühl? Tritt nach einiger Zeit wieder die Verklärung ein? Was macht einen Menschen liebens“wert“? Sollte Liebe nicht bedingungslos sein? Klappt nicht wirklich, oder? Was empfinden Sie und Ihr Bruder heute rückblickend?

    Ich frage mich, wie es mir bald mit meiner eigenen Mutter ergehen wird. Sie haben mich nachdenklich gemacht. Ich hoffe, ich kann dann auch hin und wieder mit meinen Brüdern so herzhaft lachen über all das Bizarre und Absurde, was uns begegnen wird. Jetzt bin ich vorbereitet!

    Danke für dieses grandiose Werk!

    Evelyn

  • 30 jan ocas am 6. Juli 2009, 14:35 Uhr

    traurig !

    ich finde es sehr traurig, mit wie wenig respekt die beiden brüder mit den “schätzen” ihrer mutter umgegangen sind.

    sie hat doch die ganzen sachen nicht nur für sich gesammelt. sie wollte sie doch an jemanden weitergeben, der den wert der gesammelten sachen zu schätzen weiß.

    aber die brüder werfen alles ohne jeglichen respekt einfach in die mulden.

    es kann doch nicht sein, dass fast NIX so wertvoll war, dass die brüder es aufbewahrt haben.

    der ganze film hat mich sehr traurig gemacht.

  • 31 meike am 6. Juli 2009, 14:47 Uhr

    Mein Freund und ich haben uns den Film zusammen angesehen.
    Meine Mutter ist bekennender Messie, die Mutter meines Freundes ist sehr ordentlich und sammelt nichts.
    Der Film war für mich genau richtig, habe alles super gut nachvollziehen können, auch die “angebliche” Herz- /Respektlosigkeit der Brüder.
    Als Sohn oder Tochter muß man seien eigenen Weg finden, um sich nicht komplett von der Messiesucht und deren Folgen einspinnen zulassen.
    Jeder hat ein Recht sein Leben so zu gestalten, wie er möchte, in aller Konsequenz. Das gilt sowohl für die Mutter als auch für die Söhne/Töchter.
    Mein Freund hat einen ganz anderen Blickwinkel. Wahrscheinlich gehört dazu eine lebenslange Prägung, um diese Verhaltensweisen und -muster nachzuvollziehen.

  • 32 maike am 6. Juli 2009, 15:17 Uhr

    Sich als Sohn so auf einmal noch mal mit seiner Mutter auseinandersetzen, und gleichzeitig verabschieden zu müssen ist wirklich sehr hart. Der einzige Weg da nicht völlig wahnsinnig zu werden, ist wahrscheinlich der, der von vielen als zynisch bezeichnet wird. Ich habe selber, aus ähnlichen Gründen wie Thomas keinen Kontakt zu meiner Mutter und die Vorstellung, daß ich nach Ihrem Tod die Verantwortliche bin und sie auf so einem schrecklichem Weg erst richtig kennenlernen würde, ist wirklich schlimm. Allen Kritikern kann man wirklich nur sagen, daß man lieber hinterfragen sollten, wer hier respektlos und unverantwortlich war. Für mich ist das auf jeden Fall nicht der Thomas Haemmerli. Menschen, die so ein Chaos hinterlassen, hören vielleicht durch den Film auf, ihr eigenes Elend zu verdrängen und sich noch ein wenig damit zu befassen, was „danach“ passiert. Was die Film auch noch klar macht, daß soziale Herkunft und Bildung nichts mit der Problematik eines Messies zu tun hat. Die Mutter hochintelligent, in jungen Jahren sehr hübsch, wohlhabend…Es entsteht der Eindruck, daß zum Beispiel durch ein zerüttetes Elternhaus, ein unglückiche Ehe und auch andere pschychische Probleme jeder Mensch in so einem Chaos enden kann. Da hilft es vielleicht manchen, durch den Film die Augen geöffnet zu bekommen und sich rechtzeitig helfen zu lassen.

  • 33 Andrea am 6. Juli 2009, 16:42 Uhr

    Was für ein genialer Film. Ich habe teilweise Tränen gelacht. Die beiden haben die Wohnungsräumung in der genau richtigen Art und Weise gemeistert: mit ein wenig Trauer über die Vergangenheit und einer Prise schwarzem Humor. Anders kann man das nicht ertragen.
    Meine Mutter ist vor genau einem Jahr gestorben und meine Brüder und ich haben ein ganzes Haus ausgeräumt (zum großen Glück ohne Leichengeruch!). Auch meine Mutter konnte sich von nichts trennen, aber sooo schlimm wie im Film war es noch nicht. Es war nur alles ziemlich voll. Warum sie die Schränke nie ausgemistet hat wird uns ein Rätsel bleiben. Pullover mit Mottenlöchern kann man wegwerfen, sie hat sie nach hinten geschoben und andere Sachen davor gelegt.
    Wir haben sooo oft Hilfe angeboten, waren regelmäßig dort, wollten mal Staubsaugen, Aufräumen, Behördengänge erledigen…… sie hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Man kann wirklich nicht sagen, wir hätten uns nicht um unsere Mutter gekümmert. Sie wollte keine Hilfe, sie wollte in ihren Erinnerungen an schöne Tage weiterleben.

    Auch wir haben sehr viel weggeworfen, gespendet, verschenkt, wo soll man auch so schnell hin mit dem ganzen Krempel. Fotos und Briefe haben wir selbstverständlich (erstmal) aufbewahrt.
    Wir Kinder haben selbst voll eingerichtete Haushalte, da braucht man nichts mehr von den Dingen, die auftauchen. Wenn man keine Zeit und Lust hat alles Mögliche auf Flohmärkten zu verkaufen oder im Internet zu versteigern, dann bleibt einem nichts anderes übrig als zum Sperrmüll zu fahren oder sich einen Container zu bestellen.
    Man ist so froh über jeden Raum, der nachher leer ist, den man wieder betreten kann. Auch wir haben Sessel zertreten, Schrankwände mit einem Hammer zerlegt, ein Sofa auseinandergesägt, Hauptsache das Teil paßte anschließend in den Kombi und ist später weg. Insofern konnte ich die Szenen in und um die Mulde herum sooo gut nachvollziehen – herrlich! Man muss sich einfach bei sowas ein wenig abreagieren. Das können anscheinend nur die verstehen, die sowas auch durchgemacht haben, allen anderen erscheint es abschrechend.

    Zu einer Anmerkung die oben auftauchte: warum soll ich Dinge aufbewahren, an denen meine Mutter hing? Meine hatte eine Vorliebe für Vasen. Sie hat IHR Leben gelebt, ich lebe MEINS und da habe ich für Vasen keinen Platz. O.k. ich mochte sie nicht einfach wegwerfen, daher habe ich sie per Flohmarkt an neue Besitzer verkauft; ich denke das war eine Entscheidung mit der mein Gewissen gut leben kann.

    Auch meine Brüder und ich haben es geschafft, das Haus ist leer und es war ein hartes Stück Arbeit für das wir uns ein wenig Zeit gelassen haben (4 Wochen von morgens bis abends hätte ich NIE durchgehalten).

    Woran mag es liegen, dass einige Menschen zu Messies werden und andere nicht?
    Ich habe mir ganz fest vorgenommen meinen Kinder nicht ein sooo vollgestopftes Haus zu hinterlassen, sie sollen alle Sachen dort finden, wo sie hingehören.

  • 34 Ellerfeld am 6. Juli 2009, 17:39 Uhr

    Ich habe den Film gestern abend gesehen, allerdings schon einmal ein Interview darüber gelesen und neugierig geworden.

    Erst mal Glückwunsch zum sprachlichen Talent und zum Humor, Herr Haemmerli, der Film ist klasse.

    Herzlos? Ja, teilweise, aber sehr verständlich. Die Distanz scheint nötig gewesen zu sein und – wiederum Glückwunsch – beide Söhne haben das wohl auch ganz geschafft, sich nicht ins Chaos mit hineinziehen zu lassen. Damit meine ich nicht das Chaos in der Wohnung, sondern das im Leben der Mutter. Dieser Überlebensinstinkt kommt auch manchmal abhanden, und dann kracht es entweder so gewaltig, dass keiner der Beteiligten mehr glücklich wird, oder man leidet über den Tod der einen Person ewig weiter.

    Wenn man nach vier Wochen endlich durch ist mit Wohnungsauflösung und Papiereordnen, ist es natürlich nicht die feine englische Art, den Vermieter zu beflunkern und die Katzen einfach eine Straße weiter auszusetzen – aber was sonst hätten sie machen sollen? Und nach 30 Jahren die Mutter in der vermüllten Wohnung zu lassen und jeden sich abzukapseln zu lassen, ist auch nicht die erwartete Ideallösung, aber wenigstens eine, mit der alle weiterkommen. Sind Sie mit sich im Reinen? Dann ist es gut.

    Ich stimme Andrea auch darin zu, dass jeder sein eigenes Leben mit seinen eigenen Gegenständen lebt. Ich besitze auch einige Gegenstände, die ich nur deswegen aufhebe, weil sie geschätzten Menschen gehört haben oder weil sie mir liebevoll geschenkt wurden, die ich selbst aber nie angeschafft hätte. Mit jedem Menschen erlischt eine solche kleine Welt (neben seinen Ansichten, seinen Ideen, seiner Persönlichkeit), die materielle Seite ist auch ein Ausdruck eines Lebens. An der Wohnung der Mutter hat man eher gesehen, dass sie sich in etwas immer weiter verrannt hat – wie es ja auch in anderen Beziehungen zu sein gewesen scheint (zumindest meine ich diese Perspektive im Film erkannt zu haben). Das Traurige ist eben diese Nicht-Mehr-Verstanden-Werden-Können.

    Vielleicht ist die Distanz und der schwarze, böse, anerkennende Humor auch der Respekt vor dem Scheitern, der oben vermisst wurde. Das Bild von der perfekten Familie ist ja nun nicht nur für und nicht nur durch die Mutter allein gescheitert.

  • 35 Eva am 6. Juli 2009, 19:30 Uhr

    Liebe Filmcrew,

    habe den Film gestern bei 3SAT leider zu spät eingeschaltet und nicht von Anfang an gesehen. Den Teil. den ich gesehen habe, war aber total faszinierend – und sehr, sehr lustig. Dieses Familienthema, das Ranraffen von nutzlosem Material und natürlich der Tod sind als Thema sehr ungewöhnlich und sehr toll dargeboten worden. Werde jetzt wohl öfters wieder was wegschmeißen…

    Alles Gute,

    Eva

    PS: Wann und wo kann ich den Film mal als Ganzes sehen?

  • 36 Hanno di Rosa am 6. Juli 2009, 22:03 Uhr

    Ich bin gestern zufällig in den Film gestolpert und habe mich teilweise vor Lachen gerollt!!!

    Selten so eine gnadenlose aber auch humorvolle Doku gesehen. Am besten gefiel mir die Szene wo laufend von oben Teile in den Container fielen während der off Text aus dem Leben der Eltern und Grosseltern erzählte, das war echte Klasse ( obwohl man da noch am timing hätte feilen können *Feinschnitt*)

    Ich finde es gut, dass Ihr zwei das Thema so dokumentiert habt und wünsche Euch alles Gute, und falls Ihr mal was zur Forschung über das Messie-Gen rausfindet, dürft Ihr mich gerne anmailen :-)

  • 37 gabsi am 7. Juli 2009, 16:00 Uhr

    Thema „Sucht“
    Thema „Leben im jetzigen Moment“
    Thema „Eigenverantwortung“
    Thema „Respekt vor anderen – sogar vor den eigenen Kindern“
    Thema „Mache ich komplexe und schwere Fragen leichter und unkomplizierter, indem ich in traditionierter Pseudo-Achtung erstarre oder kann ich nicht vielleicht mit Humor die ganze Angelegenheit kippen und aus dem Morast hebeln?“

    Das alles spielt in diesem grandiosen Film mit, in den auch ich zufällig hineingezappt und in dem ich steckengeblieben bin.

    Das Leben kann schrecklich und wunderbar sein, meist ist es beides. Unsere eigene Sichtweise bestimmt jeweils die Farbe.

    Vielen Dank, würde ihn sehr gern nochmal ganz sehen.

  • 38 Christof am 7. Juli 2009, 17:49 Uhr

    Ich habe erst in der 40sten Minute versehendlich reingeschlatet und bliebt sofort hängen.
    Sowas passiert mir nur 1 mal in 10 Jahren, die 10 Jahre waren offenbar wieder vorbei.
    Erst gegen Ende des Filmes kapierte ich als Sportschütze erst einmal um wem es hier eigentlich geht! Eine unglaubliche Produktion, originell bis in letzte Detail… Ärgere mich noch das ich den Anfang verpasst habe.

    Sowas müsste es ofter als nur 10 mal im Jahrhundert geben!

  • 39 Monika am 7. Juli 2009, 21:24 Uhr

    Eben habe ich den am Sonntag aufgenommenen Film im Schnelltempo ab Festplatte geschaut. Interessant! Das Gezeigte half vermutlich viel als körperliche und seelische Verarbeitung und beim Abschiednehmen von der Mutter…
    Im Schnelltempo schaute ich den Inhalt, da ich ähnliche solcher Wohnungen “live” gar nicht so selten sehe als Spitex-Frau!!!
    Zum Thema “Angst vor genetischer Veranlagung”: Ich rate Thomas und Erik dringend zu einem guten Wochenendseminar mit Familienstellen! Da ist irgendwo in der Vergangenheit eine “Baustelle”, die es abzutragen gilt. Es ist eine total gute Erfahrung, den vollen Korb abgeben zu können, wie ich aus eigener Erfahrung weiss! Bei Bedarf gebe ich gerne eine Anlaufstelle bekannt.
    Mit Glück für die Zukunft! Monika

  • 40 Christoph am 8. Juli 2009, 08:50 Uhr

    Im Film sagt der Autor an einer Stelle; er glaube daran, dass Verdrängung funktioniere. Das ist absichtliche oder unfreiwillige Ironie. Die Arbeit beweist nämlich schlüssig, dass verdrängte Dinge früher oder später – meist in hässlicher und peinlicher Form wieder auftauchen.
    Ich fand den Film unnötig, indiskret und sehr narzisstisch.

  • 41 Simone am 8. Juli 2009, 10:03 Uhr

    Hallo!

    Im Unterschied zu einigen Kommentatoren hier habe ich den Film bewusst angeschaltet… und irgendwann angewidert abgeschaltet.

    Ich selber kenne die Situation die eigene Mutter nicht zu mögen, ein eher distanziertes Verhältnis zu ihr zu haben und dennoch eine gewisse Verantwortung für sie übernehmen zu müssen. So etwas passiert und ich halte die Liebe zwischen Eltern und Kindern nicht für selbstverständlich oder gar verpflichtend. Man muss Mutter nicht mögen! Eine Situation ist das aber, die das Ausräumen der Wohnung zwangsläufig unangenehm macht, ganz egal wie es da aussehen mag. Es entsteht eine Zwangsintimität, die mutmaßlich weder von der Verstorbenen, noch von den Hinterbliebenen gewollt ist und die insofern schmerzt. In so einer Situation ist vieles, was man findet, ekelhaft.
    Die Frage ist, wie man damit umgeht.

    Hier in diesem Film wurde eine Person seziert, die sich nicht mehr wehren kann. Sie wird auf eine Weise dargestellt, die sie sicher nicht gut geheissen hätte. Man nahm ihr die Würde. Erlöschen Persönlichkeitsrechte nach dem Tod? Nein, ich denke nicht. Hätte man sich vorstellen können, dass jemand der sie gemocht hätte, gegen diese Art der Darstellung eingeschritten wäre? Aber ja, im Ernstfall tun das die Hinterbliebenen, die aber hier ihren persönlichen kleinlichen Rachefeldzug geführt haben, dokumentiert für die Nachwelt.

    Was mich so abgestossen hat: zwei erwachsene, dennoch unreife, mit sich selbst und der eigenen Geschichte im Unreinen befindliche, präpotente Bengel, tun sich dicke und feiern sich selbstmitleidig als Opfer.

    Vielleicht gab es ja noch Versöhnliches am Schluß?
    Beispielsweise die Erkenntnis, dass die Mutter selbst mit ihrer Super 8-Dokumentationswut den Grundstein gelegt hat für das was dann hier zu sehen war? Dass sie immerhin Co-Autorin war aus zweiter Hand? Wurde sie im Abspann genannt?

    Das habe ich leider nicht mehr mitbekommen.

    Die Botschaft des Films für mich: beizeiten dafür zu sorgen, dass mein Nachlaß (was auch immer es sei) von Menschen ver- und entsorgt wird, die mir nahestehen. Das muss nicht „Familie“ sein.

    Wenn Sie hier also eines deutlich dokumentiert haben, dann die Ungültigkeit und Verlogenheit traditioneller Familienbindungen und in Ihrem persönlichen Fall auch das gründliche Mißlingen einer Bildung von ethischen Grundwerten zugunsten eines erbarmungslosen Narzißmus, der nur das stehen läßt: die eigene Lust oder Unlust etwas zu tun oder zu lassen ohne sich selbst im Mindesten in Frage zu stellen.

    Schöne Grüße in die Schweiz!
    Simone

  • 42 Torsten am 8. Juli 2009, 10:29 Uhr

    Eine sehr bewegende Dokumentation, neben der „Messie-Thematik“ hat mich die Aufarbeitung der Familiengeschichte am meisten berührt. Auch der Umgang der beiden Brüder mit den Hinterlassenschaften ihrer Mutter war ein waghalsiger Balance-Akt zwischen Weinen und Lachen.
    Vielen Dank für diesen Film!

  • 43 Minea am 8. Juli 2009, 15:27 Uhr

    Ich fand diesen Film das Allerletzte. Absolut geschmacklos. Es ist schon traurig genug, dass jemand ein Messie ist, noch schlimmer ist, dass man sich über die tote Mutter, die sich ja nicht mehr wehren kann, noch lustig macht. Ich weiss nicht, wie würden sie Herr Hämmerli es finden, wenn nach ihrem Ableben in ihren Sachen herumgewühlt und alles gefilmt werden würde? „Hey, schau mal, Kondome in Grösse S, he he, und hier, eine Salbe gegen Feigwarzen, gröhl.“
    Haben sie sich schon mal die Frage gestellt, warum ihre Mutter sich ihnen und ihrem Bruder nicht anvertraut hat? Warum sie nicht genügend Vertrauen hatte, sie um Hilfe zu bitten?
    Ein Racheakt von zwei erwachsenen Männern an ihrer Mutter, die sich nicht mehr wehren kann. So sehe ich das. Ziemlich traurig und primitiv.

    Auch das Einfangen der Katzen fand ich ganz übel. Die armen Tiere wurden so dermassen gestresst. Eine Katze wurde in einem Käfig noch mit einem Schlauch abgespritzt. Eine Katze, die das Wasser hasst, so zu behandeln ist Tierquälerei und nichts anderes. Auch bei diesen Szenen kam mir das Kotzen.

    Hätten sie sich zu Lebzeiten mehr mit ihrer Mutter auseinandergesetzt, hätten sie es nicht nötig gehabt, sie jetzt, wo sie tot ist, so zu degradieren.
    Ich finde diesen Film abstossend und die zwei Protagonisten armselig und jämmerlich.

    Meine Meinung.
    Grüsse
    Minea

  • 44 Christina am 11. Juli 2009, 10:34 Uhr

    ich habe schon vor 2 (?) jahren einen beitrag über „sieben mulden und eine leiche“ bei kulturzeit gesehen und habe sofort gewusst, dass dieser film was für mich ist.
    ein film übers aufraümen!ich liebe aufraümen!mein zimmer sieht aus wie ein büro…
    der film wird nie langweilig, er wird zügig erzählt und schreckt vor einer radikalen offenheit nicht zurück. zudem hat er eine schöne (schwarze) form von humor.mir hat er gefallen.

  • 45 U. am 11. Juli 2009, 14:43 Uhr

    Gesehen auf einer Postkarte: „Sei nett zu deinen Kindern – sie suchen dein Altersheim aus“.

    Gesehen auf einem Grabstein: „Hier ruht – Hänschen klein – Herz aus Stein“.

    Was bleibt? Nihil est…?

  • 46 Anja am 14. Juli 2009, 11:25 Uhr

    Ein absolut faszinierender, nachhaltig wirkender Film! Der vielen offensichtlich sehr nahe geht (positiv oder eben auch negativ). Und er wirkt deutlich nach: Was ich seitdem so alles weggeworfen habe, obwohl es doch „eigentlich noch brauchbar sein könnte“, ist schon auffallend.
    Faszination, Nachhaltigkeit, Emotion und eben auch Unterhaltung – kann man wirklich von einer Dokumentationssendung mehr verlangen?

  • 47 Swenske am 16. Juli 2009, 05:21 Uhr

    Hi,

    ich habe den Film eben in der Wiederholung auf 3Sat gesehen und muß sagen, ich war schwer beeindruckt. Zum einen vom Mut der Filmemacher, den Tod der Mutter auf diese nicht alltägliche Art und Weise zu ‚verarbeiten‘ und zum anderen vom Film an sich. Ich sehe häufig und regelmässig Dokumentationen aber so gefesselt wie bei diesem Film war ich selten. Chapeau!

    Und wie es scheint, geht es dem weit überwiegenden Teil der Kommentatoren genauso – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

    Nicht nachvollziehen kann ich die Kritik, die hier teilweise auf sehr unsachliche und persönliche Art vorgebracht wird (fast ausschließlich von Frauen). Auf der einen Seite wirft eine Simone den Filmemachern vor, die Persönlichkeitsrechte der Mutter nicht geachtet zu haben und keinen Respekt zu zeigen, nur um zwei Absätze weiter die Filmemacher selbst auf sehr persönliche und extrem respektlose Weise anzugreifen.
    Aber diesen double-standard ist man(n) ja von ‚frau‘ mittlerweile gewohnt. Da haben sich wohl manche persönlich angegriffen gefühlt.
    Weder Mütter noch Frauen an sich sind perfekt oder gar die besseren Menschen – genausowenig wie Männer und Väter.
    Ich bin mir ziemlich sicher, daß sich einige der Frauen hier nicht im geringsten echauffiert hätten, wenn es im Film statt um die Mutter um den Vater der beiden Brüder gehandelt hätte.

  • 48 Corinne am 16. Juli 2009, 16:19 Uhr

    Das lag mir die ganze Zeit auf der Zunge, betr. den Vorwürfen von den Menschen um einen. Man hätte besser sorgen sollen, mehr aufpassen etc. – wie kommt man dazu, immer gleich einen Schuldigen zu haben? Wie Thomas Hämmerli richtig geschrieben hat, es ist wie bei allen anderen Süchtigen, wenn sie selber nicht gesunden wollen, kann man nichts machen und sie wissen es auch sehr gut zu verstecken. Unglaublich, dass nebst allem was zu ertragen ist, man sich mit solchen Vorwürfen und Kritiken noch auseinander setzen muss! Ich finde es grossartig und mutig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Und vielleicht hilft es der einen oder anderen Messie-Seele oder einem anderen Süchtigen.

  • 49 Barbara am 24. Juli 2009, 15:53 Uhr

    Ich kann dem von Corinne Gesagtem nur zustimmen, allein die Wahrheit hilft weiter. Ich habe den Film mittlerweile zweimal gesehen, wirklich harter Tobak. Es kommt mir vor wie eine große OP oder ein Exorzismus. Das reinigend, wärmende Feuer hätte ich auch dringend gebraucht.
    Hut ab!

  • 50 Bernd am 24. Juli 2009, 16:46 Uhr

    Hervorragende + ungeschönte Doku!
    Um Wiederholungen zu vermeiden, möchte ich mich den Kommentaren Nr. 13 u. 16 vom 6.7.09 anschließen.
    Ich denke, es war besser, die Katzen frei zu lassen, statt sie in ein griechisches (!) Tierheim zu geben.
    Die beiden Protagonisten waren wirklich hart im Nehmen (Leichengeruch)! Vielleicht hätte man sich vorher besser Natriumhypochlorit besorgt, Fenster + Türen abgedichtet und die Wohnung zwecks Geruchsentfernung 1 Woche unter Chlorgasatmosphäre setzen sollen.

  • 51 Thomas Haemmerli (Autor) am 27. Juli 2009, 20:26 Uhr

    Bis hierher vielen Dank allen, auch den Kritikern, die sich direkt hier auf der Seite oder via Mail persönlich geäussert haben! Am meisten gefreut hat mich das Mail eines Menschen, der eine ähnliche Aufräumarbeit bei verstorbenen Verwandten gerade vor sich hat und erklärte, der Film würde ihm helfen, die Aufgabe anpacken zu können.

    Selbstverständlich darf man geteilter Meinung sein, was die Mulden anbelangt. Auf ein paar Kritikpunkte würde ich aber doch gerne replizieren. Marion ist der Auffassung, es sei „verwerflich aus vertrocknetem Leichensaft, Müll und streunenden Katzen noch Kapital zu schlagen.“ Da ich den Film als solchen nicht verwerflich finde, sehe ich auch nicht ein, warum es verwerflich wäre, daraus Kapital schlagen zu wollen, darf aber Marion mit der Versicherung erfreuen: Man schlägt aus Dokumentarfilmen kein Kapital. Dokumentarfilme sind eher eine Art Liebhaberei, bei der viele Leute sehr viel arbeiten, und man einen vernünftigen Lohn vergessen kann. Ginge es ums Geld, dann wäre ich mit Werbefilmchen und Kommunikationsjobs besser bedient. Einräumen würde allenfalls einen narzisstischen Gewinn, dergestalt, dass ein Film, wenn er die Leute bewegt, auch viel Schulterklopfen einträgt.

    Jan Ocas wiederum findet es „sehr traurig, mit wie wenig respekt die beiden brüder mit den “schätzen” ihrer mutter umgegangen sind. sie hat doch die ganzen sachen nicht nur für sich gesammelt. sie wollte sie doch an jemanden weitergeben, der den wert der gesammelten sachen zu schätzen weiß. aber die brüder werfen alles ohne jeglichen respekt einfach in die mulden. es kann doch nicht sein, dass fast NIX so wertvoll war, dass die brüder es aufbewahrt haben.“
    Doch, Herr Ocas, das kann nicht nur sein, das war so. Wertgegenstände hatte es praktisch keine mehr, und dass wir alte Zeitungen und Billigmöbel nicht behalten wollten, werden Sie uns hoffentlich nicht zum Vorwurf machen wollen. Dazu kam das Problem, dass der Leichengeruch beispielsweise aus Kleidern nicht mehr raus zu kriegen ist. Selbst unsere hartgesottenen Künstlerbesetzerfreunde, die einige Sachen mitgenommen hatten, waren ziemlich schockiert, wie stark der Leichengeruch an den Gegenständen haftete.

    Mike
    schreibt: „Außer der Botschaft, sich zu Lebzeiten mehr um seine Mutter zu kümmern (und die Finger von Drogen zu lassen), seh ich keinen Sinn in dieser Dokumentation.“ Da haben wir zwei Missverständnisse: Ich weiss nicht, wie oft ich auf dieser Seite schon darauf verwiesen habe, dass mein Bruder zu meiner Mutter einen engen Kontakt hatte. Und dass man in Messieorganisationen dasselbe betont, was man auch Angehörigen von Drogensüchtigen erklärt: Man kann das Problem für andere nicht lösen, Messie ist jemand nicht, weil ihm niemand helfen würde. Das zweite Missverständnis wäre es, sollte mein Film die Botschaft transportieren, man solle die Finger von Drogen lassen. Als freiheitsliebender Bürger bin ich der Auffassung, jeder solle mit Genussgiften nach eigenem Gusto verfahren.


    Christoph
    findet den Film „unnötig, indiskret und sehr narzisstisch“ und erklärt: „Im Film sagt der Autor an einer Stelle; er glaube daran, dass Verdrängung funktioniere. Das ist absichtliche oder unfreiwillige Ironie. Die Arbeit beweist nämlich schlüssig, dass verdrängte Dinge früher oder später – meist in hässlicher und peinlicher Form wieder auftauchen.“
    Es ist nicht Ironie. Und meine bisherige Lebenserfahrung hat immer wieder gezeigt, dass im meinem Fall Verdrängung recht gut funktioniert. Den Horrormonat in der Wohnung hatte ich schon recht gut verdrängt und vergessen. Hätte meine Produzentin nicht diesen Film angeregt, ich könnte mich an vieles nicht mehr erinnern.
    Aber: Ich bin skeptisch gegenüber einfachen Erklärungen seelischer Befindlichkeiten und Prozesse. Auch gegenüber meinen eigenen Annahmen. Nach der Aussage, dass ich ans Funktionieren von Verdrängung glaube, habe ich die Bilder von mir als Kind geschnitten, um meine eigene Aussage sofort wieder in Frage zu stellen. Ausserdem ist der Satz bebildert mit dem Brett, dass in der Mulde steckt und mit gesplittertem Glas. Ich würde das nicht ironisch nennen. Es ging mir vielmehr darum, eigene Aussagen immer wieder zu konterkarieren. So wie ich generell darauf verzichte, kausale Aussagen zu machen, was warum passiert ist. Ich weiss es nicht und ich bin äusserst skeptisch gebenüber Versuchen, mit einfachen Kausalitäten erklären zu wollen, warum jemand so agiert wie er es tut und warum jemand so ist, wie er ist.
    Dass ich klare Erklärungen vermeide hat übrigens, wie mir scheint, zur Folge, dass sich so manches in die Geschichte hinein projizieren lässt und Zuschauer vom feinfühligen Familienstück bis zur zynischen Abrechnung alles mögliche sehen. Wogegen nix einzuwenden ist!

    Simone schreibt: „Hier wurde eine Person seziert, die sich nicht mehr wehren kann. Sie wird auf eine Weise dargestellt, die sie sicher nicht gut geheissen hätte. Man nahm ihr die Würde. Erlöschen Persönlichkeitsrechte nach dem Tod?“ Und kommt zu einer negativen, ich aber zu einer positiven Antwort. Das Problem liegt in der Schwierigkeit, den ontischen Graben zwischen Tod und Leben denken zu können. Wir können uns als Lebende nur schwer vorstellen, dass es nach dem Tode keine Rolle spielt, was jemand über uns sagt, weil es nichts mehr gibt, was sich grämen könnte.
    Schon die Aussage „eine Person, die sich nicht mehr wehren kann“ ist Unsinn, weil es nach dem Tod kein Person mehr gibt. Und damit gibt es auch kein Rechtssubjekt, mehr, das sinnvollerweise Persönlichkeitsrechte einfordern könnte. Historisch gesehen sind Rechtsregeln zum Schutze von Toten, zum Schutze der Totenruhe nicht wegen der Toten entstanden, sondern um lebende Angehörige zu schützen, bzw. Um Streit zwischen Feinden eines Verstorbenen und den Hinterbliebenen zu verindern.

    Wenn man die Sache ein wenig durchdenkt, wird klar, was für ein Unsinn es ist, Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus zu behaupten. Was wäre mit Ötzi? Dürften wir Ötzi-Witze machen? Ötzi sezieren? Ausstellen? Obwohl Ötzi sich ja gar nicht mehr wehren kann? Dürften wir, um es am Extrembeispiel zu illustrieren, den Führer schlecht machen? Der keine Chance auf ein faires Urteil vor der Geschichte hätte, weil er sich nicht mehr wehren könnte?
    Ein Indiz, dass es mit der Idee der Persönlichkeitsrechte nach dem Tode nicht so ernst gemeint ist, scheint mir der Umstand, dass sie zwar ab und an für meine Mutter eingefordert werden, nie aber für meine Oma, die im Film wirklich schlecht wegkommt. Es scheint, dass man sich bei Personen, die schon länger tot sind, eher mit dem Gedanken vertraut machen kann, dass da nichts mehr ist.

    Mineakam das Kotezn, denn : „Auch das Einfangen der Katzen fand ich ganz übel. Die armen Tiere wurden so dermassen gestresst. Eine Katze wurde in einem Käfig noch mit einem Schlauch abgespritzt. Eine Katze, die das Wasser hasst, so zu behandeln ist Tierquälerei und nichts anderes. Auch bei diesen Szenen kam mir das Kotzen.“

    Nun, die Katze, die ich abgespritzt habe, litt an Durchfall und war arg beschmutzt. Dummerweise mögen Katzen nicht nur kein Wasser, sondern auch keine Fäkalien, womit wir uns einem dramatischen Katzenhalterethikdilemmata gegeünbersahen, welches ich kurzerhand mit dem Entscheid zu Schlauchfolter auflöste, weil die mir noch das geringere Übel erschien.
    Und dass die armen Katzen gestresst wurden, das liegt ein wenig an den Fährnissen des Lebens, ich kann jedenfalls versichern, dass ich, wenn ich morgens um acht einen Bus besteigen muss, auch gestresst bin, aber trotzdem unbeschädigt weiterlebe.
    Übrigens: Bevor wir das erste Mal nach Griechenland fuhren, rief mich ein ein Herr an, der erklärte, er sei der Chef der Schweizer Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Und er hätte vernommen, wir wollten in Griechenland einen Katzengenozid veranstalten. Auf seine Zusicherung, sich mit griechischen Schwesterorganisationen der Sache anzunehmen, entschieden wir uns, die Katzen vom dafür angestellten Griechen noch einmal einen Monat durchfüttern zu lassen, was gegen 1000 Euro kostete (Muttern war nie eine begabte Verhandlerin gewesen).
    Die einzige Tier-Organisation, die sich fand, war ganz im Süden, nämlich auf Kreta, derweil die Insel Skiathos im Norden liegt. Wir haben von Herrn Vierpfoten dann auch nie mehr etwas gehört. Und was die Frage anbelangt, ob es besser gewesen wäre, die Katzen in ein griechisches Tierheim zu geben, kann ich nur festhalten: Das gibt es dort weit und breit nicht, auch nicht auf den Nachbarinseln. Es gibt ja nicht einmal einen Vetrinär, und wenn einmal einer kommt, dann repariert der Esel und anderes Nutzgetier, aber sicher keine Hunde und Katzen. Man ist in Griechenland gegenüber äusserst unsentimental.

    So weit, worauf zu antworten mir ein Anliegen ist. Unbedingt noch zu Wort kommen lassen möchte ich aber den schärfsten, den unerbittlichsten, den eloquentesten Kritiker, den ich gebeten hatte, seine Zuschrift hier veröffentlichen zu dürfen und der heute morgen ungeduldig wurde. Hans-Jürgen Schroeder also mahnt: „Sehr geehrter Herr Haemmerli, zuerst „große Töne spuken“, nachfragen ob ich meine Einwilligung zur Veröffentlichung meiner E- Mail gebe und dann sind Sie einfach zu feige um es tatsächlich auch zu tun. Meines Erachtens geben Sie in diesem Gesamtkomplex eine ganz jämmerliche, hochnotpeinliche Vorstellung ab! Sie sollten sich grenzenlos schämen, wie Sie mit Ihrer Mutter „umspringen“, sie ohne ihr Einverständnis in die Öffentlichkeit zu zerren, sie einem voyeuristischen Publikum „zum Fraß“ vorzuwerfen, das ist abartig Hoch-3!!!
    Mit ziemlich unfreundlichen Grüßen“

    Ha! Beim Vorwurf, „einfach zu feige“ zu sein, fühlte ich mich natürlich in meiner Mannesehre verletzt, gab mir einen heroischen Ruck und veröffentliche hiermit folgenden Schröder-Brief, der sich an den Intendanten des ZDF richtete, welcher sicher froh war, dass ihm endlich jemand die Augen öffnet:
    „Sehr geehrter Herr Prof. Schächter,
    in dieser noblen „Familie“ Haemmerli geht offenbar das menschliche Elend und Chaos nahtlos über in die nächste Generation, die es anscheinend nur noch nicht begriffen hat.
    Was in „3 Teufels Namen“ kann diese m. E. mißratenen, unanständigen Söhne veranlassen so mit ihrer toten und bedauernswerten Mutter umzugehen, sie erbärmlich und gnadenlos in aller Öffentlichkeit bloßzustellen? Kann das Honorar für diesen widerwärtigen, pietätlosen Film dafür eine Rechtfertigung sein? Und Ihr Sender bietet diesen beiden gnadenlosen „Typen“ auch noch die Plattform für eine derart brutale Entwürdigung ihrer toten Mutter.
    Selbst die „niveauvollen“ öffentlich- rechtlichen Sendeanstalten „verzapfen“
    inzwischen leider einen derartigen Mist wenn es um die „Quote“ geht! Es ist einfach nur noch zum Kotzen! Mit ziemlich unfreundlichen Grüßen“

    Meinem Anliegen, sein Mail, das mich amüsiert hatte, veröffentlichen zu dürfen, gab Herr Schroeder – ziemlich freundlich – statt und erklärte: „Jeder blamiert sich halt so gut er kann!“

    Dem, Herr Schroeder, kann ich mich nur anschliessen.

  • 52 Hans- Jürgen Schroeder am 27. Juli 2009, 23:50 Uhr

    Sehr „geehrter“ Herr Haemmerli,

    daß ich Sie in Ihrer „Mannesehre“ habe verletzen können ist mir nun
    wahrlich nicht in den Sinn gekommen.

    Ich habe eher den Eindruck, daß Ihnen jegliches Ehrgefühl abhanden
    gekommen ist, sollten Sie denn jemals eines gehabt haben!

    Nochmals, mit ziemlich unfreundlichen Grüßen

    Hans- Jürgen Schroeder

  • 53 Minea am 29. Juli 2009, 13:43 Uhr

    Guten Tag Herr Haemmerli,

    eigentlich stellt sich ja nur eine einzige Frage, nämlich: Hätte ihre Mutter diesen Film gutgeheissen? Nein. Und somit erübrigt sich eigentlich jeder weiterer Kommentar.

    Es gibt so Werte wie Würde, Anstand und Respekt, die ihnen leider fremd sind.

    Minea

    P.S. Leute, die Kritik anbringen werden hintenrum angemailt. Soviel zur Kritikfähigkeit von Herrn Haemmerli.

  • 54 Thomas Haemmerli (Autor) am 29. Juli 2009, 14:47 Uhr

    Leute, die Kritik anbringen werden hintenrum angemailt. Soviel zur Kritikfähigkeit von Herrn Haemmerli., schreibt Minea. Ich bin schon wieder versucht, wie ich das zuweilen mache, bei Leuten, die sich hier äussern, nachzufragen. Nachzufragen, was mit „Soviel zur Kritikfähigkeit“ gemeint ist. Ich hätte jetzt eigentlch gedacht, dass sich der Grad der Kritikwilligkeit daraus erschliesst, dass hier jeder hinschreiben kann, was immer ihm so durchs Hirn geht. Aber, Frau Minea, ihr Einverständnis vorausgesetzt veröffentlche ich hier mit grösstem Vergnügen unseren kleinen Mailwechsel. Ich war nämlich schon arg in Versuchung daraus zu zitieren, fand das aber unstatthaft.

  • 55 Minea am 29. Juli 2009, 15:15 Uhr

    Herr Haemmerli, sie können gerne den ganzen Mailwechsel zwischen uns hier veröffentlichen.

    Das ändert aber nichts an den Tatsachen.

    Minea

  • 56 Thomas Haemmerli (Autor) am 29. Juli 2009, 15:45 Uhr

    Narkosegewehr, Katzenlösungen und professionelle Hilfe

    Voilà: Ausser ein paar ausgebügelten Tippfehlern ist das der Mailwechsel, den ich wegen Kritikfähigkeitsdefiziten lieber hintenrum und geheim gehalten hätte, mich unter dem argwöhnischen Auge der Netzöffentlichkeit jetzt aber zu veröffentlichen gezwungen sehe:

    Ich fand diesen Film das Allerletzte. Absolut geschmacklos. Es ist schon traurig genug, dass jemand ein Messie ist, noch schlimmer ist, dass man sich über die tote Mutter, die sich ja nicht mehr wehren kann, noch lustig macht. Ich weiss nicht, wie würden sie Herr Hämmerli es finden, wenn nach ihrem Ableben in ihren Sachen herumgewühlt und alles gefilmt werden würde? „Hey, schau mal, Kondome in Grösse S, he he, und hier, eine Salbe gegen Feigwarzen, gröhl.“
    Haben sie sich schon mal die Frage gestellt, warum ihre Mutter sich ihnen und ihrem Bruder nicht anvertraut hat? Warum sie nicht genügend Vertrauen hatte, sie um Hilfe zu bitten?
    Ein Racheakt von zwei erwachsenen Männern an ihrer Mutter, die sich nicht mehr wehren kann. So sehe ich das. Ziemlich traurig und primitiv.

    Auch das Einfangen der Katzen fand ich ganz übel. Die armen Tiere wurden so dermassen gestresst. Eine Katze wurde in einem Käfig noch mit einem Schlauch abgespritzt. Eine Katze, die das Wasser hasst, so zu behandeln ist Tierquälerei und nichts anderes. Auch bei diesen Szenen kam mir das Kotzen.

    Hätten sie sich zu Lebzeiten mehr mit ihrer Mutter auseinandergesetzt, hätten sie es nicht nötig gehabt, sie jetzt, wo sie tot ist, so zu degradieren.
    Ich finde diesen Film abstossend und die zwei Protagonisten armselig und jämmerlich.

    Meine Meinung.

    Meine Liebe

    Sie dürfen finden, was Sie wollen. Aber vom Messiesyndrom haben Sie
    offenbar keinen Schimmer. Sie können Betroffenen nicht helfen. Und im Gegensatz zu mir war mein Bruder mit meiner Mutter sehr wohl vertraut.

    Und was die Katzen anbelangt: Was bitte schön, wäre Ihre Lösung
    gewesen? Der Tierschutz wusste keine, Sie aber vielleicht schon.

    Und eine Katze die Durchfall hat dürfe es vorziehen, abgespritzt zu
    werden, als sich sauber lecken zu müssen; scheint mir mindestens aus meiner Erfahrung mit Katzen.

    Und was mein Ableben und Ihr Wink mit dem Zaunpfahl man könne rausfinden, ich verfügte über ein kleines Gemächt anbelangt, ich halte selbst einen Mikro-S-Penis nicht für ehrenrührig und abgesehen davon ist es nach dem Tod eh egal, was über einen gesagt wird. Lustigerweise kommt auch nie jemand auf die Idee sich für unsere Oma in die Bresche zu werfen, die wirklich schlecht wegkommt.

    Wann Sie im Film eine Salbe geben Feigwarzen gesehen haben wollen, ist mir ein Rätsel. Noch mehr, wo jemand darüber gegrölt haben sollte. Und Sie können mir weiss Gott nicht vorwerfen, ich würde bei der Verhandlung der Scheidenwarzen meiner Mutter grölen. Würden Sie den Text Von Mutters Untenrum lesen, dann wüssten Sie, warum mir schien, das gehöre zwingend in den Film.

    Gott zum Gruss

    Guten Tag Herr Haemmerli,

    Ich habe alles darüber gelesen. Umso schlimmer bei so einem Film mitzuwirken, wenn ihr Bruder mit ihrer Mutter sehr vertraut war.
    Ich habe stark das Gefühl, dass sie und ihr Bruder viele Dinge mit ihrer Mutter zu Lebzeiten nicht auf die Reihe kriegten, nicht besprechen konnten, deshalb dieser Racheakt, denn nichts anderes ist dieser Film. Rache an jemandem, der sich nicht mehr wehren kann. Und schön, dass sie finden, dass ich meinen kann, was ich möchte. Das hoffe ich doch, wir leben in einer Demokratie.

    Ob ich vom Messiesyndrom eine Ahnung habe oder nicht, tut hier nichts zur Sache. Sie haben den Film gemacht, nicht ich. Und glauben sie etwa, dass sie mit diesem Film irgendjemandem der unter diesem Syndrom leidet helfen können? Ich glaube nicht. Aber das war ja auch nicht ihre Absicht. Sie wollten sich an ihrer Mutter rächen, weil sie zu ihren Lebzeiten es scheinbar nicht geschafft haben, mit ihr zu kommunizieren. So sehe ich das- so kommt das rüber.

    Ich habe ebenfalls den Artikel „Mutters untenrum“ gelesen und ich verstehe nicht, warum das nötig war, ihre Scheidenwarzen zu erwähnen. Wozu, ausser dazu sie zu degradieren, war das notwendig? Altes Eherecht hin oder her.
    Deshalb auch meine, übrigens rein fiktiven, Sprüche darüber, was passieren könnte, wenn jemand mal ihre Wohnung ausräumt. Kondom in S-Grösse und Feigwarzensalbe war rein fiktiv von mir gemeint, als Beispiel sozusagen. Schön, wenn es für sie nichts ausmacht, was man über sie nach ihrem Tod denkt, aber ihrer Mutter hätte es bestimmt was ausgemacht und darum geht es.

    Das mit ihrer Oma fand ich übrigens auch sehr tragisch. Aber über ihre Wohnung haben sie zum Glück ja keinen Film gedreht. Sonst wären Kommentare gekommen, mit Sicherheit.

    Was die Katzen anbelangt: Ich bin Tierpflegerin/Tierarztgehilfin und ich finde es fürchterlich wie sie mit den Tieren umgegangen sind. Man hätte sämtliche Katzen sedieren können (es gibt auch Narkosegewehre) und sie dann alle, als sie schliefen so mitnehmen und bei einem Tierarzt untersuchen, säubern, entflohen, entwurmen, kastrieren, etc. lassen können. Abgesehen davon dann auch neue Plätze für sie suchen können. Das wäre sicher auch im Sinne ihrer Mutter gewesen, aber bestimmt nicht so etwas Barbarisches wie sie es veranstaltet haben.

    Noch etwas zum Schluss. Wenn sie so einen Film machen, müssen sie auch mit Meinungen umgehen können. Jeder, der so einen Film sieht, kann und darf sich dazu äussern. Sonst hätten sie es nicht für die Öffentlichkeit freigeben sollen, wenn sie mit Kritik nicht umzugehen verstehen.

    Freundliche Grüsse
    Minea

    Sie dürfen selbstverständlich finden was Sie wollen. Und ich bin ebenfalls der Meinung, dass jeder, der sich mit seinen Produkten an die Öffentlichkeit wendet, kritisiert werden kann. Sie werden mir aber auch erlauben müssen, dass ich zuweilen repliziere. Manchmal interessiert es mich, mehr zu hören, manchmal amüsiert es mich.
    Ob der Film hilft oder nicht, ist nicht an mir, ich kann nur sagen, dass ich die besten Reaktionen von Messies und ihren Angehörigen kriege, die froh sind, dass das Thema an die Öffentlichkeit kommt.
    Hätte ich vor zwanzig Jahren einen Film gemacht, in dem ich enthüllt hätte, dass meine Mutter Lesbe oder Junky war, hätten Leute wie Sie mir wohl einen Strick daraus gedreht. Weil es soviel Filme, Debatten und auch reisserische Artikel gab, haben wir heute als Gesellschaft zu Junkies und zu Homosexualität ein entspanntes Verhältnis. Da, hoffe ich kommt man irgendwann mit der Messieproblematik hin, sodass es kein grosses Aufhebens gibt, wenn man vermüllte Wohnungen zeigen wird. So wie eben heute kein Spiesser mehr mit einem Junkie oder eine Lesbe hinter dem Ofen hervozulocken ist.

    Und was die Katzen anbelangt, wir waren länger im Kontatk mit verschiedenen Tierorganisationen. Es gibt auf der Insel und auch auf den Nachbarinseln keinen Tierarzt. Und wie man Narkosegewehre durch den griechischen Zoll kriegen sollte, wäre noch mal eine andere Geschichte. Und was man hernach mit vierzig narkotisierten Katzen macht, wäre mir auch ein Rätsel. Aber hätte ich damals schon von Ihnen gewusst, ich hätte Sie gerne samt Ihrem Narkosegewehr nach Skiathos eingeladen, wo wir uns zuallerst mit Entrümpeln zu befassen hatten.
    Mit freundlichen Grüssen

    Zum Schluss noch Folgendes: Das Messieproblem kannte ich schon lange vor ihrem Film, es gab schon vor über zehn Jahren Sendungen zu diesem Thema, ist also nichts neues, was sie da gezeigt haben.
    Es ist nicht eine zugemüllte Wohnung, die schockt, sondern wie sie mit dem Thema umgehen. Die Selbstdarstellung und die Zurschaustellung der Wohnung, die Respektlosigkeit auf Kosten ihrer Mutter. Das ist es, was ich fürchterlich finde.
    Was heisst Leute wie Sie? Ich habe weder gegen Junkies noch gegen Lesben etwas. Interpretieren sie nicht falsch. Das zeugt nur von ihrer eigenen Unzulänglichkeit und dem Versuch vom Thema abzulenken.
    Mit den Katzen hätte es sicher andere Lösungen gegeben. Ich finds traurig, was passiert ist. Alles.
    Irgendwie müssen sie damit klarkommen. Am besten durch professionelle Hilfe und ich wünsche ihnen alles Gute dabei.

    Grüsse
    Minea

  • 57 Minea am 29. Juli 2009, 16:11 Uhr

    Habe jetzt alles nochmals durchgelesen und ich sehe da keine Fragen von ihnen Herr Haemmerli, sondern plumpe Rechtfertigungsversuche mit dem Versuch mich als einen Spiesser darzustellen.
    Nun so nebenbei, ich finde unter anderem den Vibrator seiner Mutter lächelnd in die Kamera zu zeigen spiessig und ganz schön verklemmt.

    Und dass sie Plastik und anderes im Cheminée verbrannt haben und das Cheminée nacher kaputt war fand ich übrigens auch ziemlich daneben und assozial. Der Verwalter kann ja schliesslich nichts für dieses ganze Desaster.

    Das hatte ich noch vergessen zu erwähnen.

    Minea

  • 58 Hans- Jürgen Schroeder am 30. Juli 2009, 02:12 Uhr

    Hallo Minea,

    recht so, mit Ihrer Haltung!

    Ich dachte schon ich wäre in diesem „Blog“ der Einzige, der sich noch
    so etwas Unmodernes wie Respekt und Anstand vor seinen Eltern be-
    wahrt hat. Zudem bin ich schon mehr als dankbar darüber, dass ich diese beiden missratenen Brüder nicht zu meiner Verwandtschaft zählen muß!

    Viele Grüße

    Hans- Jürgen Schroeder

  • 59 meike am 2. August 2009, 03:27 Uhr

    Guten Morgen,
    ich glaube, es hackt.
    Meine Familie und ich schlägt sich noch zu Lebzeiten mit dem Messisyndrom meiner Mutter herum und man muss sich solch gequirlten Mist von Minea und Herrn Hans-Jürgen Schröder anhören!!!!!!
    Der Film zeigt eine persönliche Stellungnahme zu dem Thema, die ich als Betroffene als sehr hilfreich empfinde. Ich stehe meiner Mutter sehr nahe (und rede mit ihr!), aber wenn sie nicht mehr ist, werden meine Geschwister und ich die gesamm(el)ten Werke im Container entsorgen.
    Wir haben vor 10 Jahren das Haus unserer Mutter räumen müsssen und hätten uns fast geschlagen. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis wir wieder miteinander geredet haben.
    Als nicht Betroffende(r) hat man keine Vorstellung von der körperlichen und seelischen Beanspruchung solch einer Aktion.
    Intoleranz und religiöse/sexuelle/moralische Einstellungen sollten von Zeit zu Zeit überdacht und überarbeitet werden.
    Ebenso hilft die Reflextion der Mutter-Kind-Beziehung.
    Schon mal was von Abnabelung gehört?
    Meike

  • 60 Hans- Jürgen Schroeder am 2. August 2009, 06:47 Uhr

    Hallo Meike,
    wie, im besten Fall, naiv muß man eigentlich noch sein, um tat- sächlich glauben zu können, daß zu dem einzelnen „Messie“- Problem eine öffentliche Debatte auch nur im Ansatz hilfreich sein könnte? Eine familiäre und therapeutische Lösung dagegen hat es einfach nicht nötig einen Menschen gegen seinen Willen der Öffent-lichkeit preiszugeben und ihn damit auch noch seiner Würde zu be- rauben. Wenn Sie das zu Ihrer Abnabelung gebraucht hätten, dann würde das mehr über Sie ausgesagt haben, als Ihnen eigentlich lieb sein könnte. Übrigens, wen eigentlich interessiert schon der „Fall“ Haemmerli wirklich, außer die Brüder Haemmerli selbst, die lediglich diesen abscheulichen, indiskreten Film auf Kosten ihrer wehrlosen, inzwischen verstorbenen Mutter „vermarkten“ wollen?
    Gruß, Hans- Jürgen Schroeder

  • 61 Hans- Jürgen Schroeder am 2. August 2009, 08:48 Uhr

    Hallo Meike,
    Nachtrag: Sie könnten auch ruhig einmal über Folgendes nach-
    denken: Was glauben Sie wohl wie lange Ihre Mutter den „Inhalt“
    Ihrer Schlüpfer klaglos beseitigt hat bis Sie endlich „stubenrein“ waren? Oder wie lange dauerte es bis Sie persönlich „flügge“
    wurden und Ihre Mutter nicht mehr ganz selbstverständlich Ihnen Ihren „Unrat“ ständig hinterherräumen oder auch auf den Müll
    werfen „durfte“? Reichen daür 7 Mulden? Und wie hätten Sie es gefunden, Ihre Mutter hätte daraus eine „öffentliche Angelegenheit“ gemacht? Oder was würden Sie davon halten Ihr Frauenarzt, hypo-
    thetisch gedacht auch ein „Filmemacher“, würde einen Film drehen, der auch das Innenleben Ihres Schlüpfers thematisieren würde? Zu Ihrer bisherigen Haltung hätte meine kluge Großmutter ein Sprich-
    wort zitiert: „Aus anderer Leute Leder läßt sich vortrefflich Riemen schneiden“!
    Gruß, Hans- Jürgen Schroeder

  • 62 Simplicissimus am 8. August 2009, 12:14 Uhr

    Nach dem Film habe ich gedacht: „Mein Gott, wie kann ein so wundervolles und erfülltes Leben so enden?“. Aber was bedeutet eigentlich „so“? Nur, weil die Söhne 600 Franken an Rentokil zahlen mussten, damit einer die Leichenreste von den Fliesen kratzt, ist dieses Leben ja dennoch erfüllt geblieben. Der Mutter blieb Krankheit, Vereinsamung, Siechtum und Demenz erspart, wie es so vielen alten Leuten geht. Die Messie-Wohnung scheint dann wohl eher ein Spleen, eine Art Laune gewesen zu sein, so wie andere Leute halt Sudoku-Rätsel stapeln.

    Viel interessanter fand ich dann doch den Abstieg von einem reichem High Society Leben, mit hochkarätigen Attributen, wie „Adelige Abstammung, Waffenfabrik, Palast-Hotel St. Moritz, Tanz mit Kofi Anan, Ferienhaus in Griechenland, Auslandsreisen und Villa in St. Tropez“ hinunter über Scheidungen, Fehlspekulationen und Gerichtsprozessen zu einem eher kleinbürgerlichen Leben mit Finanznöten. Dies ist die zweite Geschichte, die in diesem Film erzählt wird, und durch sie erfährt man mehr über ihre Söhne, als durch die erste Geschichte.

  • 63 Brigitte Pechtrager am 8. August 2009, 15:48 Uhr

    Grüß Gott!

    Da das hier die aktuellste Seite für den Film zu sein scheint, möchte ich versuchen, das von mir Geschriebene hierher zu kopieren. Denn die anderen Seiten haben 2008 und Anfang 2009 als letzt Einträge.

    Vorausschicken möchte ich, dass ich ein Messie bin und sehr gespalten auf diverse Berichterstattungen reagiere.
    Das Erste, was ich von Ihnen wahrgenommen habe, war das Interview bei Kerner. Als offener Mensch fühle ich sowohl mit Ihnen aber ebenso mit Ihrer Mutter und es macht mir perönlich Angst, wie meine Kinder mit dem von mir hinterlassenen Chaos umgehen werden.
    Heute schaute ich mir das Interview – das ist ja alles im Jahr 2007 gewesen – mit der Dame von Star TV an.
    Davor hielt ich Sie für kaltschnäuzig und herzlos, zumal ich – ich muss sagen, eine vernünftige Meinung habe ich immer noch nicht – posthum mit Ihrer Mutter fühle. Wie einsam muss sie gewesen sein, wenn nur Streit sie noch kommunizieren ließ. Wie verletzt war sie. Diese Dinge passieren nur Menschen, die sich Gedanken machen. Depression, Alkoholabhängigkeit sehe ich nur bei “denkenden” Menschen.
    Ich spreche hier nicht von den Prolls, die sich gedankenlos “zusaufen”, weils schön ist, besoffen zu sein sondern von denen, die diese Gesellschaft mit all ihrer Korruptheit, Wertlosigkeít bei klarem Verstand nicht mehr ertragen können.
    Ihnen, als Journalist, – der sich über Hintergründe informiert und, ich gehe mal davon aus, nicht nur daran interessiert ist, “Seiten zu füllen”, wie es in Ihrer Branche üblich ist weil wir in einer unglaublich oberflächlichen und widerlichen Zeit leben – ist es, wie ich dem Interview entnahm, ein Anliegen, Menschen, sowohl aktiv als auch passiv Betroffene, anzusprechen.
    Auch ich hatte eine Scheidung, nicht aus gut situierter Lage, wie Ihre Mutter, aber auch in Österreich war die Verschuldensfrage 1972 noch ein Thema und als ich meinen Mädchennamen wieder zurückhaben wollte, wäre dafür die Voraussetzung gewesen, dass der Mann mir den Namen aberkennt. Gottseidank haben sich die Zeiten geändert, aber mit diesen Veränderungen kam auch die Wegwerfgesellschaft.
    Ich habe nur Teile des Films, er wurde am 5.7.09 auf 3sat ausgestrahlt, gesehen weil ich es nicht aushalte, den ganzen Film zu sehen. Was ich da aber gesehen habe, war, mit welcher Wut sie die Dinge in den Container (Mulden) warfen. Ich denke, Sie haben da auch einiges aufgearbeitet.
    Als Kleinkinder hatten Sie noch die Liebe Ihrer Eltern, nehme ich an, denn das Filmmaterial ist für meine Wahrnehmung liebevoll.
    Da ich ständig zu verstehen versuche, was die Ursache für mein “nichts wegwerfen können” ist, und den Wiedererkennungsfaktor, “ich kann mir nicht helfen lassen”, vielleicht aus der Angst heraus, “fremdbestimmt” zu sein. Parallel dazu die Unwertbehandlung z. B. des Verwalters des Vermieters, die mich wütend macht und ein Dilemma erzeugt, weil ich es ja zum Teil verstehe, aber ich doch deshalb kein schlechter oder gar schlechterer Mensch bin. So geht man auch mit obdachlosen Menschen um, die sich sowieso schon am Rand dieser “Scheiss”- Gesellschaft befinden. Dann die Berichterstattung der Sensationsjournaille, die sich am Dreck der “anderen” aufzugeilen scheint und die ebensolche Zuseherschaft. Dann die nicht wirklich hilfreiche Erkenntnis, “so schauts bei mir eh noch nicht aus” vielleicht bin ich gar kein Messie? Dazu die Angst, ich bin 61 Jahre alt, es könnte jeden Tag vorbei sein und was dann? Dann kommt wieder der Wille, wenigstens eine kleine Ordnung aufrechtzuerhalten, damit man nicht sagen kann “das war aber ein Schweindl”, ohne damit das Tier verunglimpfen zu wollen.
    Ihr Erscheinen in den Medien hat bei mir einiges ausgelöst zum Teil gab mir das, was ich von Ihrem Film bisher gesehen habe, auch Kraft.
    Wie gesagt, dieses ausführliche Interview wirft für mich ein völlig neues Licht auf Sie.
    Immer noch uneins mit mir möchte ich mich jedenfalls bei Ihnen bedanken, denn Sie bringen zumindest was in Bewegung. Vielleicht ist Ihnen mein Schreiben zu banal, um es zu beachten, aber mir, glaube ich, hat es geholfen.

    Mit einem freundlichen Gruß aus Innsbruck verbleibe ich

    Brigitte Pechtrager

  • 64 F am 16. August 2009, 19:06 Uhr

    Beschämend:
    Wie kann man sich einfach garnicht mehr um seine Mutter kümmern, dann angeblich am eigenen Geburtstag von deren Tod erfahren und dann so erstaunt tun und dann daraus auch noch eine Persiflage machen. Da muss man nicht mehr überlegen wer eher ärztliche Hilfe benötigte bzw. benötigt.
    Ein Mensch der sich wegen Alzheimer Symptomen an Erinnerungen seines Lebens festhält bzw. festhalten muss, um den Alltag zu bewältigen ist sicherlich nicht krank, sondern tut was er kann. Söhne die sich über Ihre Mutter öffentlich lustig machen, daraus auch noch einen Film machen, und dafür auch noch Monate Zeit haben, dabei einen Kamin beinahe in die Luft jagen und das Haus auch noch fast, sollten sich schämen über soviel medizinischem Unverstand und Mitleidlosigkeit

  • 65 Thomas Haemmerli (Autor) am 17. August 2009, 14:25 Uhr

    Hallo F!
    Das ist mir ja mal eine originelle Diagnose! Alzheimer. Leider haben nicht nur mein Bruder und ich, sondern auch sonst alle Personen, mit denen ich über das Thema und den Film gesprochen habe – inklusive der lobenden und kritisierenden Beiträge auf dieser Seite – soviel medizischen Unverstand, dass wir die offensichtliche Ursache, nämlich Alzheimer, nicht erkannt haben. Es ist doch einfach eine Schande. Aber vielleicht öffnen Sie uns Dummerchen ja noch die Augen, in dem Sie Ihre Behauptung plausibilisieren.
    Im gleichen Aufwasch könnten Sie dann noch aufdecken, wann ich tatsächlich vom Tod meiner Mutter erfahren habe (wahrscheinlich ist ja auch der Totenschein von den Behörden gefälscht!) und damit meine Angaben Lügen strafen. Wahrscheinlich leide ich auch an Alzheimer und bin deshalb froh, dass Sie, F, mir helfen können, weil Sie’s besser wissen.

  • 66 Brigitte Pechtrager am 21. September 2009, 12:52 Uhr

    Kommentare, die sich hinter Pseudonymen verstecken, halte ich für entbehrlich. Mir unterstellte man allerdings vor einiger Zeit im „Standard-Forum“ bzgl. des Todes von Dr. Haider, ich würde mich Pechtrager nennen. Nein, ich heisse so und dafür schäme ich mich nicht und ich möchte auch nicht, dass sich meine Kinder dieses Namens jemals schämen müssen.
    Aber ein Blödi bin leider schon. Genial, wie ich halt nun einmal bin, habe ich nach meinem Eintrag gleich die ganze Seite als Lesezeichen abgespeichert und vergeblich auf einen Kommentar gewartet. Erst als ich meine Tochter bat, auf ihren PC die Seite zu öffnen, um ihr zu zeigen, was ich verbrochen habe, sah ich, das es Einträge neueren Datums gibt. Wieder was gelernt.
    Immer noch bin ich Herrn Hämmerli dankbar für die Perspektive des Angehörigen, weil mir das sehr weiterhilft.
    Danke und liebe Grüße
    Brigitte Pechtrager

  • 67 Philipp M. am 5. Oktober 2009, 17:39 Uhr

    Liebe Brüder Haemmerli, liebe Blog Gemeinde

    Seit ich den Film letzte Woche gesehen habe, beschäftigt er mich und meinen Analytiker. Erraten: ich habe auch eine Messie Mutter. Die Parallelen zwischen Ihrem Film und meiner Realität sind unglaublich.

    Nun beschäftigt mich die Frage, ob ich den Film meiner Mutter sozusagen als Schocktherapie vorführen soll. An und für sich würde ich es gern tun, die Anfangsszene mit dem Leichenfleck lässt mich allerdings zögern. Was meint ihr?
    Und dann hätte ich noch ein technisches Problem: Wie Mutter Haemmerli hat auch meine Aversionen gegen moderne Technologien, d.h. keinen DVD Player. Ich bräuchte also eine VHS Videokassette. Wo kann ich die bekommen?

    Während der Mulden-Meditation ist mir zudem noch folgendes bewusst geworden: die Wohnung meiner Mutter, möge sie noch lange leben, liegt im siebten Stock, einfach alles aus dem Fenster rühren wirds also nicht spielen. Schuttrutschen haben nur einen Durchmesser von 50cm, sind also für Sperrmüll ungeeignet. Vielleicht holts ja der Hubschrauber…

    Glück auf!
    Philipp

  • 68 Thomas Haemmerli (Autor) am 6. Oktober 2009, 17:40 Uhr

    LIeber Philipp
    Auf jden Fall würde ich Ihr den Film zeigen. Ob’s nützt weiss man nicht, aber wenn sich schon ein wenig etwas in Bewegung setzt hilft das sicher. Was den Anfang anbelangt, den kann man notfalls auch überspringen, hand kehr um zeigt er: Es kommt der Tag, da man stirbt.

    Von wegen VHS: Entweder man kopiert die DVD auf eine VHS. Oder man geht mit einem Labtop, der einen anständigen Bildschirm hat, zu Muttern.
    Wünsche viel Glück und wäre wahnsinnig daran interessiert, zu erfahren, was die Reaktion war und ob es etwas geholfen hat.

    Herzlich Haemmerli

  • 69 ulbricht am 7. Oktober 2009, 16:05 Uhr

    Also. man findet keine worte. Jeder mensch ist wie er ist. Im nachgang so einen Scheiss zu produzieren ist absolut nicht tragbar. Von wegen den Messies auf die Spur kommen. Wie naiv seid ihr eigentlich. Sind wir doch mal ehrlich. Ist es nicht eher der Hintergrund „endlich“ berühmt zu sein. Unschön, Unreif !!!!

  • 70 Thomas Haemmerli (Autor) am 7. Oktober 2009, 16:21 Uhr

    Nene, im Vordergrund stand eher „unendlich“ berühmt zu sein. Jeder Mensch ist wie er ist.

  • 71 Philipp M. am 10. Oktober 2009, 09:37 Uhr

    Lieber Thomas

    Danke für deine rasche Antwort!

    Ja, gute Idee mit dem Laptop und gemeinsam anschauen und die DVD nehm ich dann gleich wieder mit, dann nimmt sie in der Wohnung keinen Platz weg. Ist doch das ideale Geburtstagsgeschenk ;-) und was wünschen sich (Zeit-Messie-)Mütter mehr, als ein paar Stunden mit ihren Söhnen zu verbringen?

    Für mich ist der Anfang schon klar, ich bin aber auch in einer anderen Situation, ich wohne in keiner zugemüllten Wohnung und bin noch nicht in dem Alter, wo ich mich unmittelbar mit dem Tod auseinander setzen muss. Messie-Mütter haben schon genug Ängste, da möchte ich die Angst vor dem Sterben nicht noch schüren.

    Die Reaktionen werd ich auf alle Fälle wieder hier posten. Obs hilft, wage ich allerdings schon mal vorweg zu bezweifeln, denn was den Messies hilft, wissen nicht einmal die Psychotherapeuten. Mir hilfts vielleicht, weil ich damit ein Statement setzen kann, was ich von Mutters Wohnung halte und meine Angst damit thematisieren kann, diese nämlich einmal ausräumen zu müssen.

    Liebe Grüße und bis bald,
    Philipp

  • 72 Brigitte Pechtrager am 17. Oktober 2009, 18:49 Uhr

    Herr Ulbricht

    So ist das eben nicht. Das wäre eine etwas zu billige Ausrede.
    Ich möchte nicht ins Detail gehen aber Ihre Aussage wäre zu überdenken.
    Jeder kann bei sich anfangen, etwas zu verändern, vor allem dann, wenn es unerträglich wird. Und mir hat dieser Film, ich hab mir die DVD gekauft und noch immer nicht angesehen (bin ich vielleicht ein Messie?!?).
    Aber das, was ich bis jetzt in diesem Zusammenhang erfahren durfte, hat mir sehr geholfen, jedenfalls mehr, als Berichterstattung im deutschen Fernsehen, wo Unbeteiligte über verwahrloste Wohnungen berichten und Menschen vorführen.
    Herr Hämmerli ist Betroffener und es ist einfach wirklich so, dass man das Verhalten eines Messies, so ehrlich bin ich einfach, nicht nachvollziehen kann – ich kann es ja selber nicht. Allerdings bin ich auf dem Weg aus dem Chaos und meine Kinder erkennen das.

    Herrn Philipp möchte ich sagen, als meine Tochter mich vor einigen Jahren darauf hinwies, ich sei eigentlich nicht schlampig, ich sei ein Messie, sie habe das im Internet recherchiert, brauchte ich sicher ein Jahr, um diesen Begriff für mich einzuordnen.
    Erst, wenn man weiß, womit man es zu tun hat, kann man in eine Handlungsebene kommen. Mit dem Erkennen der Situation war das selbstzerstörerische „was bin ich nur für ein Dreckschwein“-Phlegma, für mich Vergangenheit. Auch ihre Mutter fühlt sich schuldig, sie weiß nur nicht, wie sie das angehen soll. Machen Sie sie liebevoll, ich glaube, das sind Sie, darauf aufmerksam.
    Vielleicht schalten Sie den Film einfach so nebenbei ein und dann sehen Sie ja, wie Ihre Mutter reagiert. Für mich war das, was ich gesehen habe, hilfreich und dafür bin ich Herrn Hämmerli dankbar. Manche Dinge muss man eben aussprechen, sonst dümpeln sie nur unter der Oberfläche.
    Liebe Grüße
    Brigitte Pechtrager

  • 73 Philipp M. am 22. Oktober 2009, 21:03 Uhr

    Liebe Brigitte, lieber Thomas

    Ja, die Begrifflichkeiten sind ein Kreuz: „Chaos, schlampig sein, Unordnung, Messietum.“ So wie ich es bei meiner Mutter sehe, ist es aber weder-noch. In ihrem unendlichen Reich des Sperrmülls herrscht Ordnung! Frag‘ sie, wo sie den 17. nicht funktionstüchtigen Radio oder die Fahrradersatzteile aus den 70er Jahren hat und in 10 Minuten hat sie das rausgekramt! Nur sind die Dinge halt nicht mehr brauchbar.
    Oder wie es auch in dem schönen Buch (Alfred Pritz / Elisabeth Vykoukal / Katharina Reboly / Nassim Agdari-Moghadam (Hg.) Das Messie-Syndrom – Phänomen, Diagnostik, Therapie und Kulturgeschichte des pathologischen Sammelns) ausgedrückt ist:
    „Das Chaos ist die noch nicht erkannte Ordnung.“

    Aber nicht einmal das „pathologische Sammeln“ triffts für mich. Vielmehr ist es das Nicht-loslassen-können. Sammeln ist nämlich eher das aktive Verhalten, bei Messies sammelt sich der Müll aber „von selbst“ an. Reklame, Zeitungsabos, Supermarktverpackungen, etc.

    Spannend find ich die Schuldgefühlsthematik und das Dreckschwein-Phlegma. Das Leiden, das Selbst zerstören, das Selbst bestrafen. Wofür, wozu? Ich glaube, da sollte jedeR Messie ansetzen.

    Den Film nebenbei laufen lassen, wirds leider nicht spielen, weil eben: die VHS-DVD Problematik. Aber mittlerweile hab ich den Film mal meiner Schwester gezeigt. Sie ist sehr betroffen, findet den Film im Gegensatz zu mir gar nicht witzig, würde das ganze Thema am liebsten verdrängen. (Auch ich bin überzeugt, Verdrängung funktioniert ;-)

    Liebe Grüße!

  • 74 Brigitte Pechtrager am 28. Oktober 2009, 11:11 Uhr

    Hallo Philipp!

    Ihre Mutter ist, wie so viele in unserem Alter, ein Opfer dieser „Wegwerfgesellschaft“. Es ist einfach nicht zu fassen, dass eine Reparatur eines Geräts teurer kommt, als ein Neukauf.
    Auch ich habe noch Probleme, kaputte Geräte zu entsorgen, hab es aber schon geschafft, ohne das noch eventuell brauchbare Kabel oder ein noch funktionierendes Lamperl auszuschlachten. Ich hab so viele
    und bin gar kein Bastler, aber ich hab bei der Hortung gemeint, ich sei einer.
    Wenn man am Weg aus dem Chaos ist, aber eigentlich noch darin verfangen, ist das nicht leicht.
    Zeitungen kommen bei mir keine mehr dazu auch weil sie zu teuer sind und man Infos auch im TV bekommt. Beim Aufnehmen von Sendungen da hakt es noch, überlege aber immer öfter „schaust du dir das wirklich an?“ und fasse mir ein Herz und lösche. Wie gesagt, ich bin im Schneckentempo-Slowmotion unterwegs, aber ich bin unterwegs.
    Ihre Mutter müßte als erstes für sich erkennen, dass sie ein Messie ist, dann, das glaube ich ganz sicher, wird auch sie sich in Bewegung sezten.
    Alles Gute und liebe Grüße
    Brigitte

  • 75 Philipp am 2. November 2009, 12:55 Uhr

    Liebe Brigitte, lieber Thomas

    Ja, nach ca. drei Jahren war ich wieder mal in der Wohnung meiner Mutter und – wenig überraschend aber doch beklemmend: es ist schlimmer geworden.

    Altpapier pflastert den wenigen nicht verstellten Fussboden im Wohnzimmer, im ehemaligen Kinderzimmer siehts echt aus wie auf einer Müllhalde, Berge von unbrauchbarem Zeugs, Sperrmüll, darauf verteilt dutzende volle Orangensaftpackerl, Bier- und Sektflaschen, das Fenster, nicht mehr zugänglich, bei Minusgraden geöffnet. Sie benutzt dieses Zimmer als erweiterten, „begehbaren“ Kühlschrank. Messie-House-Index 10.

    Meine Freundin war das erste Mal mit, das erste Mal in einer Messiewohnung. Obwohl sie durch „7 Mulden“ vorgewarnt war, war sie sehr betroffen. Nach drei Stunden Gespräch mit meiner Mutter mussten wir aufgrund klaustrophobischer Beklemmungsgefühle die Wohnung wieder verlassen, zum Film schauen blieb uns keine Energie.

    Auch ich bin ein Gegner der Wegwerfgesellschaft und benutze die Dinge, bis sie ihren Geist aufgeben. Ich fahre ein dreizehn Jahre altes Motorrad und habe ein 30 Jahre altes Fahrrad, aber eines und nicht drei und es funktioniert und ich benutze es auch, das ist der Unterschied.

    Das Ausschlachten von kaputten Elektrogeräten kenn ich nur zu gut ;-) und auch das Aufnehmen von TV Sendungen, wobei hier die analogen, die digitalen und die Zeitmessies voll auf ihre Rechnung kommen.

    Gratis-Zeitungen und Reklame kommen von selbst ins Haus, wenn man kein „Bitte keine Reklame“ Schild vor der Tür hat (das erste, was ich übrigens für unsere neue Wohnung besorgt habe) Und das Schild kann man sich als Messie nicht vor die Tür hängen, weil man könnte ja eine wichtige Information verpassen. (z.B. in welchem Supermarkt Orangensaft in Aktion ist)

    Meine Mutter befindet sich in der äusserst widersprüchlichen Messie-Zwischenwelt, denn einerseits gibt sie ihr neues Motto mit „Loslassen“ an, und erklärt Aufräumen zu ihrem Lebenssinn, andererseits erklärt sie ihren Kram zu wertvollen Schätzen, die ja nicht in der Mülltonne, ja nicht einmal am Flohmarkt, landen dürfen.

    Liebe Brigitte, ich möchte Ihnen gratulieren und Sie bestärken! Besser in Slowmotion in die richtige Richtung, als rasant in die verkehrte!

    Liebe Grüße,

    Philipp

  • 76 Brigitte Pechtrager am 5. November 2009, 23:54 Uhr

    Hallo Philipp!

    Es klingt hart aber Sie sind definitiv auf dem richtigen Weg. Wenn Ihre Mutter schon vom Loslassen spricht, erkennt sie ihre, wahrscheinlich schon sehr aussichtlose Situation.

    Wie soll man beginnen? Wo soll alles hin?

    Sie fühlt sich garantiert nicht wohl und mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit schämt sie sich auch ihres Chaos‘.
    3 Stunden Gespräch sind ein guter Beginn!!!
    Verlieren Sie bitte nicht die Geduld. Bitten Sie ihre Mutter, dass sie vielleicht z.B. die Zeitungen durchblättert und Ihnen einen Stoss zum Entsorgen richtet, wenn Sie das nächste Mal kommen. Fragen wie „wozu brauchst du denn das?“ oder Ähnliches hilft niemandem. Das fordert Widerstand heraus und setzt die Angst vor fremd bestimmt sein ingang. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen das sagen und auch ich sage, niemand bestimmt, was für mich wichtig ist. Aber im Loslassen kann ich mich mit der Sinnhaftigkeit auseinander setzen.
    Ein Beispiel: Ich hatte Unmengen Marmeladegläser und die entsprechenden Deckel (eine mittelgroße Stofftasche voll). Dann nahm ich noch wahr, dass in Lebensmittelmärkten solche Gläser, in 6er Pack für € 1,99 verkauft wurden. Ich inserierte mehrfach, dass ich die Gläser verschenke, sie waren sauber. Nicht ein Interessent. Als ich erlebte, mittels eines Seminars, dass ich mich auch selber mögen muss und das dann auch schaffte, tat sich der Weg auf, dass ich mich zuerst von einem Teil der Gläser trennte, dann von allen Deckeln und dann vom Rest der Gläser, weil ja keine Deckeln mehr da waren. Viel weiter bin ich auch noch nicht. Nur kamen keine neuen Zeitungen mehr dazu, denn , wenn man die abonniert, muss man sie auch lesen – das verlangt schon der Spargedanke. Wenn Ihre Mutter das möchte, kann sie mit mir Kontakt aufnehmen. Man redet sich leichter, wenn man mit jemandem spricht, der weiß, wovon die Rede ist. Aber erst muss sie für sich erkennen, dass sie ein Messie ist. Es ist eine Sucht (Sammelsucht) und auch Zwänge spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle.
    Im Übrigen möchte ich dabei Herrn Hämmerli auch dafür danken, dass er sich nicht nur mit der Hinterlassenschaft seiner Mutter auseinandersetzte, sondern sich eingehend über die Krankheit informierte. Das zeugt für mich sehr wohl von Respekt aber eben auch von der Verletzheit, die er durch das Verhalten der Mutter erfahren hat.
    Es gibt schon Menschen, die sich um Verständnis bemühen. Wir hatten in der Gruppe eine junge Familie, sie ein Messie, er ein Ordnungsfanatiker. Im Anhören anderer Gruppenmitglieder sagte er, „Frau Pechtrager, ich habe mich heute bei meiner Frau entschuldigt“. Nachdem sie 2 mal zur Gruppe kam, glaubte er, sie müsse „geheilt“ sein und alles ist wieder beim Alten. Wie gesagt, ein „normaler“ Mensch versteht das nicht, ja ich vestehe es ja, obwohl ich es möchte, selber nicht. Es ist nicht logisch, aber es ist so.
    Bringen Sie Ihre Beziehung zur Mutter noch bei ihren Lebzeiten in eine Ebene, mit der Ihre Mutter leben kann – eine Therapie würde nützen, wenn Ihre Mutter ihre Situation für sich wahrnimmt und es einen Therapeuten gäbe, der respektvoll ist (So wie ich das Glück habe, von einem wunderbaren Therapeuten in Dauertherapie übernommen worden zu sein)
    Ich wünsche Ihnen unendlich viel Geduld und Ihrer Mutter eine zeitgerechte Erkenntnis. Räumen Sie nichts weg, was ihre Mutter nicht überlegt loslässt. Es verursacht einen irreparablen Rückschlag, glauben Sie mir.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute. Meine Emailadresse: brigitte1909@hotmail.com Wenn Sie googeln, finden Sie unter meinem Namen diverses, was Ihnen oder Ihrer Mutter vielleicht weiterhilft. Und glauben Sie nicht, dass Sie um Hilfe bitten, auch für mich ist ein Feedback lehrreich zumindest habe ich noch nicht aufgehört, an meiner Bildung zu arbeiten.

    Liebe Grüße Ihnen und Ihrer Mutter und wieder mal an Herrn Hämmerli

    Brigitte Pechtrager

  • 77 Peter am 8. Mai 2010, 07:16 Uhr

    Film gesehen, vieles nicht verstanden.
    Gibt es Situationen im Leben der Betroffenen die zu diesem Verhalten hinfuerhrt? Koennte die Aufarbeitung dieser „Ausloeser“ vielleicht eine Linderung der Symptome herbeifuehren? Oder ist es einfacher zu sagen „Messies“ sind so…und danach hingehen und aufraeumen. Vieles in der Familiengeschichte hat mich irgendwie an Situationen erinnert die von Alexandra Senfft in „Schweigen tut weh“ beschrieben wurden. Mich beschaeftigt das Thema deswegen besonders, weil ein Bruder „Messie“ ist. Ich bewundere die schonungslose, direkte und humorige Art (die bestimmt geholfen hat) damit umzugehen. Ein Film der

  • 78 Peter am 8. Mai 2010, 07:17 Uhr

    @Peter: mir geholfen hat mich wieder ienmal dem Thema zu stellen und eine andere Perspektive einzunehmen.

  • 79 Brigitte Pechtrager am 5. Juni 2010, 12:55 Uhr

    zu Peter

    Danke einfach nur für die Bereitschaft, verstehen zu wollen.
    Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich das Schneckentempo zur Zeit, eigentlich schon vor Monaten und kontinuierlich bis jetzt, verlassen habe. Mit ein Grund war die Auseinandersetzung rund um den Film, den Film selber habe ich auch immer noch nicht gesehen, obwohl ich mir die DVD gekauft habe aber ich glaube, da brauche ich jemanden, der sich das mit mir ansieht um dann darüber sprechen zu können.
    Ich wünsche Ihrem Bruder, dass er sich darüber klar ist, dass er ein Messie ist, das ist der erste Schritt in die richtige Richtung.
    Legen Sie bitte nicht Hand an – wahrscheinlich ist Messie sein wirklich der Ausdruck für Unaufgearbeitetes, bei mir dauerte es 7 Jahre mit Therapie und erst jetzt, mit 61 Jahren, beginne ich mich zu mögen und zu spüren. Ich glaube, dass das die Basis für mein derzeitiges „Aufwachen“ im wahrsten Sinn des Wortes ist.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute und ganz, ganz viel Geduld, das hilft Ihrem Bruder.
    Liebe Grüße
    Brigitte Pechtrager

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